Redaktion Werbemonitor

Schriften kombinieren

Eine einzige Schriftart reicht selten aus, um ein komplexes Projekt in eine typografisch angemessene Form zu bringen. Doch welche Schriften passen zueinander? Font Pairing hilft bei der richtigen Partnerwahl. Wie beim Menschen finden Sie gelungene Schriftkombinationen entlang des Mittelwegs zwischen „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Ein gewisses Maß an Übereinstimmung ist ebenso nötig wie ausreichend Kontrast. Nicht nur, was die Schriftarten betrifft, sondern auch hinsichtlich Schriftschnitt, Größe, Ausrichtung, Farbe, Groß- oder Kleinschreibung, Spationierung, Zeilenabstand.

Natürlich können Sie sich ganz auf Ihre Intuition verlassen und Ihr persönliches visuelles Empfinden entscheiden lassen. Das setzt  allerdings einen erfahrenen Blick voraus und birgt die Gefahr, sich im Laufe der Zeit im  immer gleichen Fahrwasser zu bewegen.

Schnell und trendy: Inspirationsquellen im Web
Keine Zeit für aufwendige Recherche, keine Lust zum Experimentieren, Hauptsache, hip? Im Internet sprudeln zahlreiche Inspirationsquellen für Schriftkombinationen. Schauen Sie sich z. B. hier um:

Fundiert und sicher: Schriften einer Stilepoche zuordnen können
„Lernen S’ a bissl Geschichte!“ Wer keinen Flirt, sondern eine langfristige Beziehung anstrebt oder seine Schriftkombination fundiert argumentieren will, folgt tunlichst Bruno Kreiskys Rat – und lernt Schriftgeschichte. Denn die gemeinsame stilistische Herkunft bildet eine verlässliche Basis für verträgliche Schriftpaare.

Die Renaissance-Antiqua geht aus der humanistischen Minuskel des 15. Jahrhunderts hervor, wofür eine Bandzugfeder verwendet wurde. Typisch dafür: die geringen Strichstärkenunterschiede, was ein sehr gleichmäßiges Gesamtbild ergibt. Die Serifen sind sanft ausgerundet, die Achsen der runden Buchstaben nach links geneigt. Betrachten Sie etwa das innere Oval des o.

Speziell bei der venezianischen Renaissance-Antiqua wirkt das Schriftbild leichtfüßig, anmutig. Die französische Renaissance-Antiqua tritt ein wenig solider, ruhiger auf. Unterscheiden lassen sich die beiden zumeist anhand des kleinen e: Beim venezianischen e verläuft der Querstrich meist schräg ansteigend, beim französischen e in der Regel waagrecht.

Die Barock-Antiqua ahmt einen virtuosen, spielerischen Umgang mit der Breitfeder nach. Verglichen mit der Renaissance-Antiqua weist sie größere Unterschiede in der Strichstärke auf. Die Achsen der Rundungen stehen fast senkrecht (erkennbar z. B. wieder am inneren Oval des o), die Serifen sind kaum ausgerundet, oben meist schräg, unten aber gerade angesetzt. Insgesamt wirken diese Schriften nüchterner als die Renaissance-Antiqua – die Formentwicklung der Schrift spiegelt offensichtlich nicht zwangsläufig die Entwicklung in anderen Künsten (Musik, Architektur) wider.

Die klassizistische Antiqua ist eine Fortführung der Barock-Antiqua: Die Strichstärken-unterschiede werden zum Teil so sehr auf die Spitze getrieben, dass es die Lesbarkeit einschränkt. Die Serifen setzen waagrecht an und sind selten ausgerundet, die Achsen der Rundungen stehen genau senkrecht. Der Gesamteindruck: strenge, statische Eleganz.

Eine einzige Schriftart reicht selten aus, um ein Projekt in eine angemessene Form zu bringen.

Aus diesen drei Quellen speisen sich die häufigsten heutigen lateinischen Schriften – so auch die serifenbetonte Linear-Antiqua (auch „Egyptienne“ genannt) und die serifen-lose Linear-Antiqua („Grotesk“, „Sans-Serif“). Für eine rasche Orientierung bietet Wikipedia eine recht umfangreiche Liste an Schriften, nach Herkunft sortiert: www.de.wikipedia. org/wiki/Liste_von_Schriftarten

Kombinieren Sie Schriften mit gemeinsamer stilistischer Herkunft, wenn Sie sichergehen möchten, dass sie harmonieren und einander im Duktus (steht die Schrift oder läuft sie?), der Laufweite und der x-Höhe ähneln. Eine Renaissance-Antiqua wird neben einer serifenlosen Linear-Antiqua, die in der Tradition der Renaissance-Antiqua steht, ziemlich sicher gut aussehen. Ersetzen Sie die Renaissance-Antiqua durch eine klassizistische An-tiqua und das Ergebnis ist distanzierte Kühle. Dennoch gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein gutes Gefühl für glückliche Schrift-paare brauchen Sie, auch wenn Sie Schriftgeschichte gelernt haben.

Schnell und sicher: Schriftsippen
Kein Interesse an Geschichte oder an kühnen, ungewöhnlichen Mischungen? Mit einer Schriftsippe können Sie nichts falsch machen. Eine Schriftsippe besteht mindestens aus einer Antiqua und einer serifenlosen Linear-Antiqua, oft enthält sie zusätzlich eine serifenbetonte Linear-Antiqua und womöglich Semisans/Semiserif. Strichstärke, Duktus, Laufweite, x-Höhe: Hier passt alles zusammen, alles ist aus einem Guss

Vergnüglich und unkonventionell: Online-Spiele
„Etwas Gescheiteres kann einer doch nicht treiben in dieser schönen Welt, als zu spielen“, wusste schon Henrik Ibsen. Auch der Typografie kann man sich spielerisch annähern, hier auf durchaus professionellem Niveau:
www.typeconnection.com
www.fontjoy.com

Wer eher etwas zum Auflockern, quasi einen unverbindlichen Flirt sucht, besuche: www.app.fontflame.com. Denn Fontflame bietet „Tinder for Font Pairing“. Zwei Zeilen, zwei Schriften, und Sie entscheiden: „Hate“ oder „Love“?

In unserer Printausgabe (Werbemonitor 01/2018) finden Sie zahlreiche Beispiele zu den genannten Schriften.

Hier finden Sie Tipps, wie Sie aus Sicht des Grafikdesigns mit Typografie mehr aus Ihren Websites herausholen können.

Foto: iStock.com/esolla

Als zweitgrößte Fachgruppe österreichweit im Bereich Werbung werden rund 3.400 Mitglieder mit ca. 4.200 Gewerbeberechtigungen betreut. Hier finden Sie umfangreiche Informationen sowie unterschiedliche Serviceleistungen für Ihre tägliche Praxis.

Kontakt

WKNÖ Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation
Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742 851 - 19712
Fax: 02742 851 - 19719
  werbung@wknoe.at

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Website & -tools erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Nähere Informationen in unserer  Datenschutzerklärung.