Redaktion Werbemonitor

Wir haben viel gelernt!

Eine Branche, die die Krise ebenfalls mit voller Wucht getroffen hat, ist der stationäre Buchhandel. Er verzeichnet einen Umsatzeinbruch in Höhe von 70 bis 80 Prozent und darüber hinaus. Welche Erfahrungen die Unternehmen gemacht haben, wo sie stark sind und welche Schwächen rasch behoben werden müssen, weiß Irene Alexowsky, Fachgruppenobfrau der Buch- und Medienwirtschaft. Über neue Bürohengste und Versandbuchhändler ...

Das letzte Gespräch mit Obmann Günther Hofer, Geschäftsführer Clemens Grießenberger und Irene Alexowsky führten wir erst im Dezember im gemeinsamen Fachgruppenbüro, guter Kaffee inklusive. Nachzulesen im Werbemonitor 01/2020. Diesmal „treffen“ wir uns via Skypemeeting, in dem sich jeder woanders befindet. Sabine Wolfram führte für den Werbemonitor das Gespräch mit Buchhändlerin und Fachgruppenobfrau Irene Alexowsky.

Werbemonitor: Wie geht es den Buchhändlern, womit sind sie gerade beschäftigt?

Alexowsky: Neben der Organisation jener Materialien, die für die Sicherheitsvorkehrungen für Mitarbeiter und Kunden dienen – wie Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel oder Desinfektionsaufsteller –, mussten wir rasch etwas über Logistik und Versand lernen. Bei jenen Kollegen, die schon eine Website haben, also quasi eine funktionierende Infrastruktur für das Onlinegeschäft, E-Mail-Adressen und Facebook- und WhatsApp-Gruppen, schaut die Situation anders aus. Sie haben in Windeseile in Erfahrung gebracht, wie man kostengünstig verpackt, welche Versandboxen passen, damit die Bücher nicht beschädigt werden, wie man die Produkte schnell versendet, einen Lieferservice initiiert oder welche Postgebühren anfallen. Wir sind Bürohengste und Versandbuchhändler innerhalb einer Woche geworden. Das haben wir jetzt perfekt intus.

Werbemonitor: Was machen jene Kollegen, die noch analog unterwegs sind?

Alexowsky: Bei Buchhändlern, die keine Website und keinen Onlineshop haben, wird es schon um eine Spur schwieriger. Diese Betriebe haben rasch versucht – und da hat die Wirtschaftskammer mitgeholfen –, sich zumindest in sämtliche österreichische Einkaufsforen einzutragen. Aus meiner Sicht war ein wichtiger Schritt, dass mit der Coronakrise Bewusstsein in der Bevölkerung für heimische Produkte geschaffen wurde. Es soll regional gekauft werden, das ist meiner Ansicht nach jetzt in sämtlichen Köpfen drinnen. Das war eine der positivsten Entwicklungen der letzten Wochen. 

Wir haben im Buchhandel einen Umsatzeinbruch von ungefähr 70 bis 80 Prozent.

Werbemonitor: Daran kann man sehen, welche wichtige soziale Funktion Buchhändler bzw. der stationäre Handel generell haben, das können große Versandhändler nie leisten.

Alexowsky: Stimmt! Unsere Kunden sind so dankbar, dass es uns gibt – ob sie das jetzt per Telefon oder per E-Mail sagen oder bei einer Bestellung via Onlineshop dazuschreiben, etwa „Bleibt gesund und natürlich kaufe ich bei euch“ oder „Danke, dass ihr mir die Bestellung liefert“. Viele Kunden vermissen den persönlichen Kontakt und sind froh, wenn die Geschäfte wieder offen haben. Die Händler haben ihre Stammkunden zum Teil auch angerufen, um ihnen zu sagen: Wir sind hier, wir haben nur den Rollbalken heruntergelassen, aber wir bestellen das Buch für dich. Es geht, aber alles mit sehr viel Mühe. Die Mitarbeiter sind fast zur Gänze in Kurzarbeit und jene, die arbeiten, leisten wenige Stunden in der Woche, der Rest wird vom Unternehmer, vom Familienbetrieb erhalten.

Werbemonitor: Die Auswirkungen sind zurzeit für keine Branche absehbar, denn die Umsatzverluste kann man kaum wettmachen. Aktuell hat sich die Kommunikation zusätzlich zum Telefon auf Skype oder Zoom verlagert, der Onlinehandel ist stark gepusht, das wird uns weiter begleiten. Was sind aus Ihrer Sicht noch Hürden im Onlinegeschäft?

Alexowsky: Wie schon erwähnt, war die Logistik ein wichtiges Thema. Daran können wir schrauben. Rechtliches ist ein Thema, z. B. die Zahlungsbedingungen, da muss man sich gut überlegen, was man den Kunden anbietet. Viele Konsumenten sind von den großen Händlern gewohnt, alles zu bestellen und dann bei Nichtgefallen wieder zu retournieren. Das ist bei uns kleinen Händlern ein wahnsinniger Aufwand, den wir nicht leisten können. Wir haben schnell daraus gelernt und z. B. die Zahlungsbedingungen angepasst.

Werbemonitor: Wie schauen die Umsätze derzeit aus?

Alexowsky: Wir haben in der Branche einen Umsatzeinbruch von ungefähr 70 bis 80 Prozent; bei jenen, die keinen Onlineshop haben, sind die Verluste noch höher ausgefallen. Es fehlte eben die ganze Belebung im Geschäft, das Buch, das ich schnell mitnehme, weil ich eine Rezension im Radio gehört habe und gleich nebenbei kaufe, die kleine Glückwunschkarte und mehr. Das kann man nicht in einem Shop abbilden, da die Menschen eben sehr haptisch sind und sich die Sachen, bevor sie sich entscheiden, anschauen wollen.

Werbemonitor: Buchhändler haben in den letzten Wochen viel lernen müssen. Wo können wir als Werber und Kommunikationsprofis helfen?

Alexowsky: Viele kleine Geschäfte haben schnell einen Shop online gestellt. Das sind eher schlechte als gute Lösungen und mehr Provisorien. Die müsste man verbessern, denn wenn die Shoplösung nicht einfach funktioniert, ist der Kunde gleich wieder weg. Der restliche Webauftritt gehört gut gemacht und die Kommunikation mit Newsletter und Co aufgesetzt. Da sehe ich zum Teil noch ein Manko. Seitens der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft haben wir eine schnelle Maßnahme ergriffen und gemeinsam mit Radio Niederösterreich einen 20-Sekunden Spot erstellt, den wir täglich über den Zeitraum von zwei Wochen ausgestrahlt haben. Es geht darum, gezielt und regional beim stationären Buchhandel zu kaufen. Die Krise sorgt dafür, dass wir alle schneller bereit sind, etwas weiterzuentwickeln und zu optimieren.

Werbemonitor: Danke für das Gespräch.

Foto: Dieses Foto wurde im Dezember 2019 aufgenommen. V. l. n. r.: Geschäftsführer Clemens Grießenberger, Obfrau Irene Alexowsky und Obmann Günther Hofer. 

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