Redaktion Werbemonitor

Alles Lüge?

Die etablierten Medien geraten immer mehr unter Druck. Begriffe wie Lügenpresse sind im Vormarsch und in sozialen Medien geht mit aggressiven Kommentaren ohnehin die Post ab. Dazu gesellen sich Verschwörungstheorien. Welchen Quellen kann man vertrauen? Das langfristig angelegte Projekt kommunikationswissenschaftlicher Vertrauensforschung am Institut für Publizistik der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz untersucht in mehreren Wellen das Vertrauen in die öffentliche Kommunikation. Jetzt stehen die Forschungsergebnisse der Welle 2017 fest. Fazit: Das Medienvertrauen steigt, das Internet stürzt ab.

Vertrauen in öffentliche Kommunikation ist eine Voraussetzung für die politische Willensbildung in einer Demokratie. Das Projekt untersucht daher den Zustand sowie die Entwicklung von Vertrauen in die öffentliche Kommunikation, z. B. in Medien, Politiker. In weiterer Folge dessen Ursachen und Konsequenzen, z. B. Vertrauen in ein politisches System oder in die Demokratie, in Deutschland. Ebenfalls wird der Wandel von Meinungsbildungsprozessen, die sich durch Digitalisierung von Kommunikation ergeben, unter die Lupe genommen. Hierzu gehören beispielsweise die Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien sowie die Verrohung politischer Diskurse im Netz. Denn im Gegenzug führen Vertrauensverletzungen zu dysfunktionalem Verhalten, z. B. Unterstützung populistischer Parteien, Abkehr von der Politik.

Das ist eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse der Welle 2017.

Die Lügenpressehysterie ebbt ab – Medienvertrauen steigt
Immerhin 42 Prozent der Deutschen vertrauen den etablierten Medien in wichtigen Fragen. Nur 17 Prozent äußern grundsätzliches Misstrauen, weitere 41 Prozent nehmen eine Zwischenposition ein. Insgesamt zeigt sich damit im Vergleich zu den Vorjahren ein leicht positiver Trend. Die Vertrauensbasis ist in Deutschland relativ stabil.

Vertrauen in einzelne Medien stabil – Internet stürzt ab
Nach wie vor genießen der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tageszeitungen das Vertrauen von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Einen regelrechten Vertrauenssturz hat dagegen das Internet erlebt: Nur noch zehn Prozent der Bürger halten Internetangebote im Allgemeinen für vertrauenswürdig. Das ist ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. Nur etwa zwei bis drei Prozent halten Nachrichten in den sozialen Netzwerken für vertrauenswürdig.

Debatte um Fake News und Hasskommentare zeigt Wirkung
Ein Grund für den Rückgang des Vertrauens in das Internet und in einzelne Online-Nachrichtenangebote liegt offenbar in der anhaltenden Debatte über Fake News und Hasskommentare. Große Mehrheiten von zwei Dritteln bis drei Vierteln der Deutschen sehen in Fake News und Hasskommentaren eine echte Gefahr für die Gesellschaft. Sie erwarten von der Politik gesetzgeberisches Handeln, um beide Phänomene einzudämmen.

Entfremdung trotz insgesamt relativ hohen Vertrauens
Trotz einer insgesamt stabilen Vertrauensbasis fühlt sich ein beachtlicher Teil der Deutschen von den etablierten Medien nicht rundum gut vertreten. 36 Prozent kritisieren, dass sie die gesellschaftlichen Zustände in ihrem Umfeld ganz anders wahrnehmen, als sie von den Medien dargestellt werden. 24 Prozent sagen, dass die Themen, die ihnen wichtig sind, von den Medien nicht ernst genommen werden.

Teilweise lückenhaftes Medienwissen in Deutschland – mit Folgen für das Medienvertrauen
38 Prozent der Deutschen glauben irrtümlich, dass Journalisten berichten dürften, was sie wollen, weil es keine gesetzlichen Schranken gebe. Insgesamt zeigt die Studie, dass zwar die Mehrheit der Bevölkerung über ein in wichtigen Punkten zutreffendes Verständnis von Journalismus verfügt. Gleichwohl existieren hier große Potenziale für Medienbildung und Aufklärungskampagnen. Vor allem Menschen, die über wenig Medienwissen verfügen, stehen den etablierten Medien besonders kritisch gegenüber. Wer z. B. fälschlicherweise glaubt, Journalisten müssten ihre Berichte vor der Publikation von Behörden prüfen lassen oder der Staat würde darüber entscheiden, wer in Deutschland Journalist werden dürfe (jeweils elf Prozent der Befragten), schenkt den Medien auch kein Vertrauen.

Institut für Publizistik, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Studie zum Medienvertrauen

Als zweitgrößte Fachgruppe österreichweit im Bereich Werbung werden rund 3.400 Mitglieder mit ca. 4.200 Gewerbeberechtigungen betreut. Hier finden Sie umfangreiche Informationen sowie unterschiedliche Serviceleistungen für Ihre tägliche Praxis.

Kontakt

WKNÖ Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation
Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742 851 - 19712
Fax: 02742 851 - 19719
  werbung@wknoe.at