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Mein erster Lehrling

Die Lehre wird in der Kreativbranche oft sehr zwiespältig betrachtet. Die einen wissen nicht, wie sie einen Lehrling in ihr kleinstrukturiertes Unternehmen integrieren könnten. Die anderen sind davon überzeugt, dass die Lehre genau das Richtige ist, um die passenden Mitarbeiter aufzubauen. Sie ist außerdem eine Möglichkeit, dem immer größer werdenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Für jene, die mit dem Gedanken spielen, einen Lehrling aufzunehmen, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Wenn Sie sich entschließen, erstmals Lehrlinge auszubilden, haben Sie sicher jede Menge Fragen. Antworten auf einige dieser Fragen finden Sie nachfolgend. Nähere und detaillierte Auskünfte erhalten Sie bei Ihrer Lehrlingsstelle.

Was muss ich tun, wenn ich das erste Mal einen Lehrling ausbilden möchte?
Vor der Aufnahme kontaktieren Sie bitte die Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer Niederösterreich und reichen Sie einen Antrag auf Feststellung der Eignung zur Lehrlingsausbildung (Feststellungsantrag) ein. Die Lehrlingsstelle ist gesetzlich verpflichtet, gemeinsam mit der Arbeiterkammer zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Lehrlingsausbildung gegeben sind.

Wer kann Lehrlinge ausbilden?
In Ihrem Unternehmen muss eine für die Ausbildung geeignete Person zur Verfügung stehen, die den Ausbilderkurs absolviert oder die Ausbilderprüfung bestanden hat. Das sind entweder Sie als Lehrberechtigter selbst oder ein dafür geeigneter Mitarbeiter.

Was ist die Schnupperlehre?
Wenn Sie den Bewerber vor Lehrbeginn „testen“ möchten, bieten Ihnen die sogenannten berufspraktischen Tage bzw. Wochen die beste Gelegenheit dazu. Diese werden auch Schnupperlehre genannt – dabei können Sie potenzielle Lehrlinge schon vor Lehrbeginn kennenlernen und eine Vorauswahl treffen. Die Schnupperlehre ist eine Schulveranstaltung in der 8. bzw. 9. Schulstufe, bei der die Schüler für einen oder mehrere Tage Betriebe besuchen und dort den Arbeitsalltag miterleben.

Wie wähle ich den geeigneten Lehrling aus?
Klassischerweise wählen Sie jene Person aus, deren Eignungsprofil mit dem betrieblichen Anforderungsprofil am ehesten überein-stimmt. In einem Gespräch lässt sich zusätzlich noch deutlicher herausfinden, ob der Kandidat passen könnte. Es ist auch möglich, Tests durchzuführen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie im Berufsinformationszentrum der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Wo melde ich den Lehrvertrag an?
Dies erfolgt bei der Lehrlingsstelle, in der Sie ebenso die Anmeldeformulare erhalten. Die Anmeldung hat nach dem Berufsausbildungsgesetz (BAG) binnen drei Wochen ab Aufnahme des Lehrlings zu erfolgen.

Wie sieht es mit der Probezeit aus?
Die ersten drei Monate der Lehrzeit gelten als Probezeit. Während dieser Zeit können sowohl Sie als auch Ihr Lehrling das Lehrverhältnis ohne Angabe von Gründen auflösen. Wesentlich für die Rechtswirksamkeit der Auflösung ist die Schriftform. Wird das Lehrverhältnis vorzeitig beendet, müssen Sie dies der Lehrlingsstelle Ihres Bundeslandes ohne unnötigen Aufschub, spätestens jedoch binnen vier Wochen mitteilen.

Die ersten drei Monate der Lehrzeit gelten als Probezeit.

Was ist zu tun, wenn ich den Lehrvertrag nach Ablauf der Probezeit auflösen möchte?
Es ist möglich, das Lehrverhältnis nach Ablauf der Probezeit einseitig aufzulösen. Allerdings müssen schwerwiegende, im BAG angeführte Gründe vorliegen – etwa, wenn sich der Lehrling eines Diebstahls, einer Veruntreuung oder einer sonstigen strafbaren Handlung schuldig gemacht hat.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer außerordentlichen Auflösung (Ausbildungsübertritt gem. § 15a BAG) am Ende des 12. Monats bzw. bei drei- und mehrjährigen Lehrberufen auch am Ende des 24. Monats der Lehrzeit. Sowohl der Lehrberechtigte als auch der Lehrling können dieses Mittel in Anspruch nehmen. Zu beachten sind jedoch die Einhaltung eines genauen Verfahrens- und Fristenlaufs und eine damit verbundene verpflichtende Mediation. Der Lehrberechtigte muss dieses Verfahren jedenfalls volle drei Monate vor dem möglichen Auflösungszeitpunkt einleiten.

Was muss ich bei der Beschäftigung von Jugendlichen beachten?
Wenn Sie Jugendliche beschäftigen, müssen Sie die Bestimmungen des Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetzes (KJBG) einhalten. Weiters gilt es, die Bestimmungen in Bezug auf den Besuch der Berufsschule zu beachten. Die Unterrichtszeit in der Berufsschule ist auf die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit anzurechnen. Genaue Informationen über die Bestimmungen zur Beschäftigung von Jugendlichen entnehmen Sie bitte der Ausbildungsmappe für Lehrbetriebe.

Welche finanziellen Unterstützungen oder Förderungen gibt es?
Für Lehrbetriebe besteht im Rahmen der „Förderung der betrieblichen Ausbildung von Lehrlingen“ eine Reihe von Fördermöglichkeiten. Bitte beachten Sie die Links, die wir Ihnen zusammengestellt haben.

Was umfasst die Ausbilderprüfung?
Das Ausbildungsunternehmen kann – wie schon beschrieben – entscheiden, ob der Unternehmer selbst oder eine andere Person die Verantwortung als Lehrlingsausbilder übernimmt. Voraussetzung für die Bestellung zum Ausbilder ist ein bestimmtes Qualifikationsniveau. Es sind Fachkenntnisse für die Ausbildung sowie pädagogisch-methodische und rechtliche Kenntnisse nachzuweisen.  Die Ausbilderprüfung ist eine mündliche Prüfung, bei der es ein praxisorientiertes Fallbeispiel zu lösen gibt. Dafür stehen 30 Minuten Vorbereitungszeit zur Verfügung. In einem Fachgespräch, das zwischen 30 Minuten und einer Stunde dauert, wird dieses Fallbeispiel erörtert.

Es gibt eine Reihe von Förderungen.

Es umfasst das Festlegen von Ausbildungszielen auf Basis des Berufsbildes, die Ausbildungsplanung im Betrieb, die Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle der Ausbildung und die Verhaltensweisen des Ausbilders gegenüber dem Lehrling. Hinzu kommen Fragen über das BAG, das KJBG, den Arbeitnehmerschutz, das Arbeitsverfassungsgesetz in Zusammenhang mit der Berufsausbildung sowie die Stellung des dualen Berufsausbildungssystems im österreichischen Bildungssystem. Im Ausbilderkurs, der 40 Unterrichtseinheiten umfasst, wird all dies vermittelt. Er schließt mit dem Fachgespräch ab.

Gleichwertig mit der Ausbilderprüfung sind unter anderem die Notariatsprüfung, die Fachprüfung für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, die Rechtsanwaltsprüfung, die Ziviltechnikerprüfung, die Prüfung für den Apothekerberuf, die Unternehmerprüfung oder die Meisterprüfung.

Hier finden Sie zahlreiche Links:
Lehrlingsförderung: geschenktes Geld vom Staat?
www.lehre-foerdern.at
Mehr über die Ausbilderpüfung ...
Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern ...

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