Mag. Dieter Walla

Mag. Dieter Walla &
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Geringfügig Beschäftigte
Wenig Entgelt für (viel) Arbeit?

Aus Sicht der Lohnverrechnung kann es sein, dass die korrekte Abrechnung der Dienstnehmer mit gewissen Herausforderungen behaftet ist, besonders bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Sozialversicherungsrechtliche und lohnsteuerliche Vorschriften sind korrekt umzusetzen, auf tägliche, wöchentliche und monatliche Arbeitszeiten ist zu achten und man muss aufpassen, dass man nicht Lohn- und Sozialdumping betreibt. Sprich: Auch der geringfügig Beschäftigte ist korrekt abzurechnen.

Ein Beschäftigungsverhältnis gilt als geringfügig, wenn das monatliche Entgelt maximal 425,70 Euro beträgt. Die bisher bestehende tägliche Geringfügigkeitsgrenze wurde glücklicherweise mit 01.01.2017 aufgehoben. Keine geringfügige Beschäftigung liegt jedoch dann vor, wenn das im Kalendermonat gebührende Entgelt die Grenze nur deshalb nicht übersteigt, weil das Dienstverhältnis im laufenden Monat begonnen oder beendet wurde, der Arbeitnehmer also beispielsweise am 15. begonnen hat.

Grenzbeträge
Beträgt die Summe der monatlichen Entgelte aller geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer beim gleichen Dienstgeber nicht mehr als das Eineinhalbfache der monatlichen Geringfü-gigkeitsgrenze (638,55 Euro), dann muss der Dienstgeber als Lohnnebenkosten lediglich die Unfallversicherung entrichten. Übersteigt die Summe diese Grenze, so muss der Dienstgeber zusätzlich eine Dienstgeberabgabe, also einen Strafzuschlag, in Höhe von 16,4 % der Entgelte bezahlen. Gleichzeitig ist zu beachten, dass geringfügig Beschäftigte, wie alle anderen Dienstnehmer, der betrieblichen Vorsorge unterliegen und Anspruch auf entsprechenden Urlaub sowie auf Sonderzahlungen haben.

Mehrere geringfügige Jobs
Bezieht der Dienstnehmer aus zwei oder mehreren geringfügigen Beschäftigungs-verhältnissen jeweils ein Entgelt, welches im Monat die Geringfügigkeitsgrenze von 425,70 Euro überschreitet, dann besteht Versicherungspflicht in der Kranken- und Pensionsversicherung. Diese Beiträge sind von den Dienstnehmern selbst zu bezahlen und können nicht über die laufende Lohnverrechnung abgerechnet werden, da ja Dienstgeber 1 nichts von Dienstgeber 2 wissen muss und umgekehrt. Der Dienstnehmer kann, nachdem er diese Dienstverhältnisse der Krankenkasse mitgeteilt hat, diese Beiträge monatlich entrichten. Übersteigt das Entgelt aus allen Dienstverhältnissen die Geringfügigkeitsgrenze nicht, so kann sich der Dienstnehmer auf Antrag um einen relativ kleinen Betrag in der Kranken- und Pensionsversicherung selbst versichern.

Achtung!
Stellen Sie also sicher, dass Sie und Ihre geringfügig Beschäftigten nicht dadurch unangenehm überrascht werden, dass die Gebietskrankenkasse und eventuell auch das Finanzamt am Ende des Jahres noch einen Obolus für mehrere Dienstverhältnisse verlangen, weil insgesamt die Versicherungsgrenze bzw. die Steuergrenze überschritten wurde.

Fallweise Beschäftigung
Ein Sonderfall der geringfügigen Beschäftigung ist die fallweise Beschäftigung. Fallweise Beschäftigte sind Personen, die in unregelmäßiger Folge tageweise beim selben Dienstgeber beschäftigt werden, wenn die Beschäftigung für weniger als eine Woche vereinbart ist. Bei fallweise Beschäftigten gilt seit 01.01.2017 jeder Tag als eigenständiges Dienstverhältnis. Übersteigt das Entgelt die Geringfügigkeitsgrenze, so tritt Vollversicherungspflicht ein. Wird die Geringfügigkeitsgrenze nicht über-schritten, so gelten die Bestimmungen für geringfügige Beschäftigungen. Eine Begünstigung für geringfügig beschäftigte Aushilfskräfte ist mit 01.01.2017 in Kraft getreten. Sie gilt für alle Personen, die geringfügig Beschäftigte einstellen, um einen zeitlich begrenzten, zusätzlichen, den regulären Betriebsablauf überschreitenden Arbeitsanfall zu decken oder den Ausfall einer Arbeitskraft zu ersetzen. Voraussetzung ist, dass die zusätzlich eingestellte Person bereits aufgrund eines anderen, bei einem anderen Dienstgeber abgeschlossenen Dienstverhältnisses vollversichert ist. Weiters darf der Dienstnehmer eine solche begünstigte Beschäftigung nur 18 Tage im Kalenderjahr, egal bei welchem Dienstgeber, ausüben. Um als Dienstgeber vor Überraschungen sicher zu sein, ist es ratsam, sich die Information, wie viele Tage der Aushilfsdienstnehmer schon für jemand anderen tätig war, schriftlich vom Dienstnehmer geben und bestätigen zu lassen. Gleichzeitig darf auch der Dienstgeber für all seine Aushilfskräfte diese Regelung maximal für 18 Kalendertage im Jahr in Anspruch nehmen. Für die genaue Beurteilung, für wen und für welche Dienstverhältnisse diese Regelung in Anspruch genommen werden kann, wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Lohnverrechner Ihres Vertrauens, da diese Regelung ein zweischneidiges Schwert ist.

Ist unbestritten festgestellt, dass für ein Dienstverhältnis die Begünstigung für Aushilfskräfte in Anspruch genommen werden kann, so hat der Dienstgeber den Pauschalbetrag von 14,12 % des Entgelts und die Arbeiterkammerumlage einzubehalten und abzuführen, die sonst vom Dienstnehmer selbst abzuführen wären. Die Unfallversicherung muss der Dienstgeber jedoch nicht abführen. Gleichzeitig sind für diese Personen weder Kommunalsteuer, Dienstgeberbeitrag noch Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag zu entrichten. Ein Lohnzettel muss trotzdem fristgerecht übermittelt werden. Selbstverständlich müssen alle Dienstnehmer ordnungsgemäß vor Dienstantritt angemeldet werden – geringfügig Beschäftigte genauso wie Aushilfskräfte. Aus lohnsteuerlicher Sicht sind jene Einkünfte, die Aushilfskräfte für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis beziehen, befristet für die Kalenderjahre 2017 bis 2019 steuerfrei. Wir werden sehen, wohin sich diese Regelung in Zukunft bewegt. Der Steuerberater mit dem guten Kaffee empfiehlt eine gute Beratung vor der Einstellung von Dienstnehmern und erhöhte Vorsicht bei der Einstellung von Aushilfskräften. Denn wenn Fehler in der Lohnverrechnung passieren, dann passieren sie zumeist zuungunsten des Arbeitgebers.

 Foto:  Cathy Yeulet © 123RF.com

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