Mag. Dieter Walla

Mag. Dieter Walla &
Partner Steuerberater OG

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Das Auto: heilige Kuh der Österreicher

Ein Thema, bei dem die Wogen immer hochgehen, ist das Fahrzeug. Die Entscheidung, ob man eines braucht und wenn ja welches, ist schwierig genug. Dann kommen noch die Fragen hinzu, was man wirklich braucht, ob das infrage kommende Fahrzeug zu groß, zu klein, zu luxuriös oder zu fad ist und so weiter … Tatsächlich ist es, wie immer im Leben, eigentlich ganz einfach.

Wenn Sie die Frage, ob Sie ein Auto wirklich brauchen, schon mit „Ja“ beantwortet haben, sollte der Entscheidungsweg kurz „steuerlich“ werden.

Private oder betriebliche Nutzung?
Die erste und entscheidende Frage ist: Brauche ich das Auto betrieblich oder privat oder sowohl als auch? Bei einer rein betrieblichen Nutzung stellt sich die Frage nach einem Privatanteil nicht. Wenn das Nutzungsverhältnis gemischt ist, kommt es auf das Überwiegen an. Dominiert die betriebliche Nutzung, dann kann das Auto ins Betriebsvermögen genommen werden. Es muss aber ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechender Privatanteil ausgeschieden werden. Überwiegt die private Nutzung, ist das Auto privat und die betrieblichen Fahrten können, mit dem entsprechenden Nachweis, mittels Kilometergeld in der Steuererklärung berücksichtigt werden. Das amtliche Kilometergeld beträgt derzeit 0,42 €/km. Damit sind ALLE Kosten des Autofahrens abgedeckt, also auch Park- und Mautgebühren, Vignetten oder Ähnliches.

Die betrieblichen Fahrten sind mittels Fahrtenbuch nachzuweisen, das laufend zu führen ist. Fahrtenbücher, die mittels Tabellenkalkulationsprogramm erstellt werden, sind besser als nichts, werden aber in den meisten Fällen von der Finanz nicht anerkannt. Besser, aber eben leider nicht modern und etwas umständlich, sind handgeschriebene Fahrtenbücher, die laufend geführt werden. Zu mittels GPS-Tracker geführten Aufzeichnungen gibt es noch keine Judikatur, es ist aber anzunehmen, dass diese künftig von der Finanz anerkannt werden.

Fahrtenbuch
Der Steuerberater mit dem guten Kaffee ist kein Fan der Fahrtenbuchführung. Mein Tipp lautet daher: Sind Sie unsicher, welche Nutzungsform überwiegt, dann führen Sie ein absolut penibles Fahrtenbuch für drei bis vier Monate. In dieser Zeit sollte herauszufinden sein, ob die berufliche oder die private Komponente überwiegt. Wenn die Privatnutzung überwiegt, führen Sie danach nur mehr Aufzeichnungen über Ihre beruflichen Fahrten. Es geht nämlich niemanden etwas an, wohin Sie privat fahren – weder die Finanz noch den Steuerberater und schon gar nicht Google! Das ist meiner Einschätzung nach die aktuelle Herausforderung von GPS-Trackern. Wie stellen Sie sicher, dass die Daten, die das Ding liefert, „safe“ sind und nicht in die falschen Hände gelangen?

Vorsteuer
Sind Sie Unternehmer im umsatzsteuerlichen Sinn, sprich vorsteuerabzugsberechtigt, dann ist ein kurzer Blick auf die Liste des Finanzministeriums (https://www.bmf.gv.at/steuern/fahrzeuge/vorsteuerabzugsberechtigte-fahrzeuge.html) hilfreich. Finden Sie hier das ge-wünschte Auto, welches eine Vorsteuerabzugsberechtigung aufweist, – was auf jeden Fall vom Verkäufer bestätigt werden sollte –, dann steht Ihnen der Abzug der Vorsteuer zu. Das umfasst alle im Zusammenhang mit diesem Fahrzeug stehenden Kosten, sofern sie der Umsatzsteuer unterliegen. Es macht keinen Unterschied, ob das Auto neu oder gebraucht ist – wenn es auf der Liste steht, sind Sie zum Abzug der Vorsteuer berechtigt.

Finanzierung
Die letzte Hürde am Weg zum neuen Auto ist meistens die Frage der Finanzierung. Grundsätzlich ist es steuerlich bedeutungslos, ob das Auto bar bezahlt, geleast oder mit einem Kredit finanziert wird. Natürlich ist die Barzahlung die angenehmste Variante. Es wird Geld gegen Fahrzeug getauscht, es entstehen keine Finanzierungskosten, die Wahl der Versicherungsgesellschaft sowie die Art der Versicherung sind frei. Diese Wahlfreiheit haben Sie auch, wenn das Fahrzeug mittels Kredit finanziert wird. Das Auto gehört dem Käufer und der kann frei entscheiden.

Leasing
Beim Leasing schaut die Welt ein bisschen anders aus. Das Auto gehört der finanzierenden Leasinggesellschaft, die ihrerseits dem „Käufer“ erlaubt, das Auto zu nutzen. Es wird aber vorgegeben, welche Versicherung bei welcher Gesellschaft abgeschlossen wird und wie viele Kilometer das Auto im Jahr bewegt werden darf. Daraus ergibt sich eine gewisse Laufleistung, die am Ende des Leasingvertrags nicht überschritten werden darf. Widrigenfalls sind hohe Nachzahlungen zu erwarten. Zu unterscheiden sind auch noch Operating- und Finance-Leasing. Im betrieblichen Bereich im Zusammenhang mit Autos ist immer das operative Leasing steuerlich zu bevorzugen. Die Leasingdauer sollte bei Neuwagen zwischen vier und sieben Jahren liegen, wenn das Auto ein Pkw ist (Lkw zwischen zwei und vier Jahren). Als vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer sollten Sie im Autohaus bei der leasingfinanzierten Anschaffung eines Neuwagens explizit auf die Vorsteuerabzugsbe-rechtigung und die Unternehmereigenschaft hinweisen. Der Verkäufer sollte in der Lage sein, das richtige Formular zu wählen. Vor Unterschrift des Vertrags empfiehlt sich eine kurze Rücksprache mit dem Steuerberater!

Elektroautos
Aus aktuellem Anlass abschließend noch ein kurzer Blick auf die Elektroautos. Mit den grünen Kennzeichen sind sie mittlerweile in einigen Städten Österreichs von den Parkgebühren befreit. Sprich, gratis parken ist erlaubt. Bis zu einem Anschaffungspreis von € 40.000,- (brutto) sind E-Autos voll vorsteuerabzugsberechtigt. Zwischen € 40.000,- und € 80.000,- schleift sich die Vorsteuerabzugsberechtigung ein und über € 80.000,- ist es ein Auto wie jedes andere. Für E-Autos ist kein Privatanteil zu bezahlen. Wenn sie als Firmenauto gekauft werden, sind sie auch begünstigt, da der Mit-arbeiter keinen Sachbezug versteuern muss, wenn das Auto unter € 40.000,- gekostet hat.

Fazit
Die heilige Kuh der Österreicher ist also auch steuerlich ein Quell der ewigen Freude. Der Steuerberater mit dem guten Kaffee wünscht allen Lesern einen schönen Sommer – am besten in einem betrieblich genutzten Cabrio mit großem Werbeaufdruck am Wochenende, direkt am Badesee. Bei der nächsten Betriebsprüfung haben wir dann sicher viel mit dem Prüfer zu besprechen ...

Foto: dolgachov © 123RF.com

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