Maria Weinhofer

Obmann Stv.
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Schöner shoppen für Typoholics

Muss man Schriften überhaupt noch kaufen? Der Trend bewegt sich in Richtung Font-Abos und Mietschriften. Gut so, denn je nach Projekt passt mal das eine, mal das andere Lizenzmodell. Ein Versuch, das Getümmel am Schriftenmarkt zu sortieren. Die Grundsatzentscheidung: Supermarkt oder ab Hof?

Es gibt die großen Handelsbetriebe wie Mono-type (mit MyFonts, Linotype, FontShop, fonts. com), Adobe oder Fontspring, die ähnlich wie Supermärkte mit niedrigen Preisen, extremen Rabatten und gefälliger Ware die breite Masse bedienen. Sie versammeln Tausende Schriften von Hunderten Type Foundries unter ihrem Dach. Dann sind da die „Delikatessenläden“: unabhängige Type Foundries wie die Wiener Typejockeys, die mit Originalität, Flexibilität und hoher handwerklicher Qualität zu überzeugen versuchen. Nicht zu vergessen die „Direktvermarkter“: Schriftgestalter, die ihre eigenen Schriften gewissermaßen ab Hof verkaufen und au-ßerdem Custom Fonts anbieten, also maßgeschneiderte Schriften.

Schriften kaufen
Wer eine Schrift – genauer gesagt eine Schriftlizenz – kauft, erwirbt mit einer einmaligen Zahlung die dauerhafte Berechtigung, diese Schrift zu nutzen. Auch wenn der Kaufpreis null Euro beträgt. Im Allgemeinen ist dieses älteste aller Lizenzmodelle eine sichere Ange-legenheit. Zumindest solange das Dateiformat unterstützt wird. Doch lesen Sie unbedingt vor dem Kauf die Lizenzbedingungen! Im Kleinge-druckten verstecken sich mitunter große Unterschiede. Ich habe für Sie beliebte Anbieter verglichen, die Angaben beziehen sich auf Desktop-Fonts.

Wer selbst gern Wertschätzung und angemessene Bezahlung erfährt, sollte das auch anderen zugestehen.

www.myfonts.com, www.fontsquirrel.com
Aufgepasst, hier variieren die Lizenzbedingungen je nach Hersteller!

www.fontspring.com
Bei Fontspring gelten für alle Schriften die gleichen Lizenzbedingungen. Gibt es einmal eine Abweichung, weist Fontspring darauf hin, sodass es nicht nötig ist, jedes Mal die kompletten Lizenzbedingungen durchzulesen.

  • Anzahl der Nutzer: Vereinbarungssache. Nutzer müssen Ihrem Unternehmen angehörig sein.
  • Weitergabe an Auftragnehmer: Externe Grafiker, Druckereien u. a. dürfen die Schrift projektbezogen nützen, aber Achtung: Jeder betroffene Auftragnehmer zählt als Nutzer.
  • Speichern an einem Server: nur wenn aus-schließlich die vereinbarten Nutzer Zugriff haben
  • Weitergabe an Kunden: nein
  • Art der Projekte: Logo und Branding, Printprodukte, Bildschirmdarstellung. Auch Produkte für den Wiederverkauf, mit zwei Aus-nahmen: Designs, die Ihre Kunden vor dem Druck selbst adaptieren können – personalisierte Grußkarten, T-Shirt-Designs etc. –, und Produkte, bei denen ein einziger Buchstabe oder Dingbat das Design bestimmt (z. B. ein Typo-Stempel-Set, Buchstaben-Stencils, eine Kaffeetasse mit einem groß aufgedruckten Dingbat)
  • Einbetten in PDFs, Filme, E-Books, Websites etc.: nein, ausgenommen „read-only“-PDFs und -DOCs. Erlaubt ist aber die Verwendung der in Pfade umgewandelten Schrift.
  • Gibt es Demo-Fonts zu Testzwecken: ja, meistens; allerdings mit reduziertem Zeichensatz

www.linotype.com
wie Fontspring, mit Ausnahme:

  • Demo-Fonts: nein

www.typejockeys.at
wie Fontspring, mit Ausnahme:

  • Anzahl der Nutzer: fünf Geräte an einem Ort; mehr gegen Aufpreis
  • Art der Projekte: nicht für die Verwendung in Logos oder Produkten für den Wiederver-kauf (auch nicht auf Verpackung von Han-delsprodukten) – das erfordert eine erweiterte Lizenz

Das Abo-Modell
Meine Bambus-Zahnbürste wird mir automatisch viermal jährlich zugestellt, Fachmagazine lasse ich mir monatlich liefern und Stock-Agenturen bieten Bilder-Abos an. Warum nicht auch Fonts abonnieren? Gegen eine monatliche Gebühr erhalten Sie Zugriff auf Tausende Schriften. Das ist attraktiv für alle, die um einen überschaubaren Preis aus dem Vollen schöpfen wollen. Meist sind im Abo so-wohl Desktop- als auch Webfonts enthalten. Tolle Sache, komfortabel, ABER: Was geschieht, wenn ich mein Schriften-Abo kündige? Ganz einfach: Die Schriften stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Vorausschauende Planung ist also Pflicht.

Bei einem Abo-Modell ist die vorausschauende Planung Pflicht.

Die Lizenzbedingungen

www.typekit.com

  • Wahrscheinlich beziehen Sie dieses Schriften-Abo bereits: Denn Adobe-Creative-Cloud- Kunden haben automatisch Zugang zum Adobe Typekit.
  • Offline-Verfügbarkeit: ja
  • Anzahl der Nutzer: jeder Nutzer Ihres Creative-Cloud-Abos
  • Weitergabe an Auftragnehmer: nein
  • Speichern an einem Server: nein
  • Weitergabe an Kunden: nein
  • Art der Projekte: wie bei Fontspring
  • Einbetten in PDFs, Filme, E-Books, Websites etc.: ja. Hier bleibt die Schrift auch nach Ablauf des Abos erhalten.
  • Demo-Fonts: Sie können bis zu 100 Schriften gleichzeitig synchronisieren.

www.fonts.com

  • Offline-Verfügbarkeit: ja
  • Anzahl der Nutzer: ein Nutzer mit zwei Geräten, mehr gegen Aufpreis
  • Weitergabe an Auftragnehmer und Kunden: ja, wenn Ihr Abo „Font sending“ erlaubt. Über den Webdienst SkyFonts können Sie dann anderen die Schrift für sieben Tage zur Verfügung stellen.
  • Speichern an einem Server: nein
  • Art der Projekte: wie bei Fontspring
  • Einbetten in PDFs, Filme, E-Books, Websites etc.: nein
  • Demo-Fonts: Ja, diese stehen Ihnen eine Stunde lang zur Verfügung.

Fonts mieten
Als Grafikdesignerin habe ich im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl an Fonts gesammelt. Einige sind wahre Dauerbrenner, die ich immer wieder einsetze. Weil sie zeitlos schön, hervorragend lesbar, umfangreich und handwerklich gut gemacht sind. Und dann gibt es Schriften, die ich nur für ein bestimmtes Projekt erworben habe. Für solche Schriften bietet sich das Mietmodell an. Praktisch: Bei den meisten Schriften ist auch die Webversion inkludiert.

www.fontstand.com

  • Fontstand bietet ein Miet-Kauf-Modell: Haben Sie eine Schrift insgesamt zwölf Monate gemietet, dürfen Sie sie behalten.
  • Offline-Verfügbarkeit: ja
  • Anzahl der Nutzer: ein Nutzer an einem Gerät, mehr gegen Aufpreis. Das Gerät darf aber wechseln.
  • Weitergabe an Auftragnehmer und Kunden: gegen einen geringen Aufpreis, sofern diese einen Fontstand-Account haben
  • Speichern an einem Server: nein
  • Art der Projekte: wie bei Fontspring
  • Einbetten in PDFs: ja
  • Demo-Fonts: Ja, diese stehen Ihnen eine Stunde lang zur Verfügung.

Im Streitfall
Viele Schriftenanbieter zeigen sich kulant, was die missbräuchliche Verwendung von Schriften betrifft. Häufig sehen sie von einer Klage ab, wenn man die Schriftlizenz nachträglich kauft – verlassen dürfen Sie sich darauf aber noch lange nicht! Eine Klage kann Sie teuer zu stehen kommen, erst recht, wenn sich der Gerichtsstand nicht in Österreich befindet. Und wer selbst gern Wertschätzung und angemessene Bezahlung erfährt, sollte das auch anderen zugestehen.

Foto: iStock.com/sanjeri






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