Redaktion Werbemonitor

Schön schreiben

Für einige war es schon in der Schulzeit äußerst unbeliebt, das Schönschreiben. Ganz zu schweigen von leserlich. Böse Zungen behaupten, es gibt heutzutage noch Berufsgruppen, deren Handschrift kaum zu entziffern sei … Dennoch erlebt gerade das Hand-Lettering einen neuen Boom. Wir haben zwei niederösterreichische Unternehmerinnen gefragt, wie sie die Buchstaben besonders gut aussehen lassen.

In der Schule ist die Handschrift in Zeiten von Tablets und Co. zum Teil schon umstritten. Rufe werden laut, sie abzuschaffen. Ganz anders geht es der Kalligrafie. Sie gilt schon seit jeher als die Kunst des schönen Schreibens, eben eine besondere Form der Kommunika-tion. Jetzt erlebt das sogenannte Lettering eine neue Blütezeit. Mit Bleistift, Füllfeder, Kreide oder Pinsel erhalten Linien, Schnörkel oder Buchstaben ihre besondere Note. Oft wird es im Do-it-yourself-Bereich eingesetzt, um Geburtstagskarten oder Weihnachtgrüße besonders zu gestalten. Zwei findige niederösterreichische Unternehmen haben handgeschriebene Texte zu ihrem Geschäftsmodells gemacht.

Fraulein Fischer
Die Illustratorin Sylvia Fischer hat sich die Kunst des Letterings selbst beigebracht. Ihr Motto: üben, üben, üben. An handgeschriebe-nen Texten faszinieren sie die darin stecken-de Persönlichkeit und der Charme. Aus ihrer Sicht erkennt man am verwendeten Material, den Farben, den Schnörkeln, den hinzugefügten Illustrationen und dem Schriftstil den Charakter des Gestalters und der Botschaft. Gestoßen ist die Badener Unternehmerin in sozialen Medien wie Pinterest und Instagram auf die vielen Formen des Letterings. Sie war sofort fasziniert. Zu Beginn war es für sie ein willkommener Ausgleich zur digitalen Arbeit. Nach und nach ist das Lettering in ihre Projekte eingeflossen. Für Fraulein Fischer, die Marke, unter der die Lettering-Artistin agiert, ist ein Grundwissen der Typografie und der Illustration ein Vorteil, Geduld hilfreich und die Liebe zu schöner Schrift notwendig.

Handschreiberei
Barbara Snizek nennt ihr Unternehmen Handschreiberei und ist am Riederberg beheimatet. Die Initialzündung, außergewöhnliche Handschriften in der Werbung einzusetzen, erlebte sie bei einem Liebesbrief ihres Ururgroßvaters an ihre Ururgroßmutter. Er ist mit Liebe in wunderschöner Handschrift geschrieben und hat über 130 Jahre am Dachboden überdauert. Die Unternehmerin sieht die Anziehungskraft in der Einzigartigkeit jedes handgeschriebenen Schriftstücks. Eine schöne Schrift zaubert ein Lächeln in das Gesicht des Lesers und bleibt in Erinnerung. Handgeschriebene Zeilen vermitteln Exklusivität und persönliche Nähe, im Gegensatz zu digitalen, computergenerierten Schriften.

Einsatz in der Werbung
Sylvia Fischer meint dazu: „Handschriftliche Passagen, Wörter oder auch nur einzelne Buchstaben können zu ästhetischen Störern werden, an denen der Kunde gerne verweilt. Vorausgesetzt, sie sind gezielt und sparsam eingesetzt.“ Ihre Auftraggeber sind Privat-personen, die Letterings für Hochzeitseinladungen, Urkunden, Poster oder Ähnliches fertigen lassen, weiters Unternehmen, die handgeschriebene Einladungen für ihre Geschäftseröffnungen suchen oder ihr Logo, eine Menükarte und Kreidetafeln gestalten lassen. Zudem bietet die Lettering-Künstlerin Work-shops an, die gefragt sind.

Für Barbara Snizek sticht Handgeschriebenes in der Flut der gedruckten und unpersonalisierten Werbematerialien hervor. Sie hält fest: „Laut einer amerikanischen Studie liegt die Öffnungsrate bei handgeschriebenen Mailings bei fast 99 Prozent.“ Ihre Kunden kommen aus allen Branchen, vom Autohaus oder Architekturbüro über Hotellerie bis hin zu Handwerkern, Trainern und Markenartikelherstellen. „Unsere Dienstleistungen werden für Kundenklubs für persönliche Willkommens- oder Geburtstagsmailings immer wieder gerne in Anspruch genommen. Handgeschriebene Zeilen zeigen dem Adressaten, dass sich das jeweilige Unternehmen besonders viel Mühe gegeben hat, auf ihn und seine Bedürfnisse einzugehen. Ein wichtiges Kriterium für die spätere Kaufentscheidung“, erklärt Handschreiberei-Chefin Snizek.

Schreibgeräte
Die Mitarbeiter in der Handschreiberei nehmen fast alle Untergründe, die möglich sind, unter ihre Fittiche. Es wurden schon die erstaunlichsten Verpackungen und Produkte beschriftet. Fraulein Fischer hat sich auf Kreidetafeln spezialisiert. Obgleich auch sie die vielfältigen Einsatzgebiete für Letterings abhängig von ihrer Beschaffenheit anführt, mit Untergründen nd Materialen wie Fußboden, Tattoo, Logo, Spiegelwand, Poster oder Tischkarten arbeitet.

Wie lange dauert’s und was kostet’s?
Die Angebote bei Sylvia Fischer sind individuell und abhängig von Aufwand und Kundenwunsch. Es verhält sich ähnlich wie bei z. B. speziell designten Drucksorten, denn Kosten wie Materialrecherche und -beschaffung, die Vorbereitung des Untergrunds oder die Digitalisierung sind bekanntermaßen Zeitfresser. Was die Materialien betrifft: Nicht alles ist in Österreich so einfach verfügbar.

Auch die Handschreiberei arbeitet individuell. Als Richtwert wird angeführt, dass es bei einer handgeschriebenen vierzeiligen Adresse, je nach Schriftart und Unterlage, bei € 1,20 losgeht. Für 100 handgeschriebene Adressen mit Vor- und Nachbearbeitung benötigt das Unternehmen ungefähr vier Stunden. Meistens müssen die Adressen oder Texte vorge-schrieben werden, um sie korrekt zu platzieren und ein Gefühl für die Formatierung bzw. die Schreibun-terlage zu erhalten. Wenn Materialien zur Verfügung gestellt werden, wird getestet, welche Schreibgeräte darauf gut wirken, zum Schriftstil passen und auf der Oberfläche halten.

Zwei Fragen an Fraulein Fischer

Gibt es Buchstaben, die sich leichter schreiben lassen als andere?
Die Herausforderung liegt eher in der Kontinuität. Ich übe unterschiedliche Alphabete immer und immer wieder, um mein Muskelgedächtnis zu trainieren.

Was ist Ihnen wichtig zu vermitteln?
Sauklaue hin oder her – von Hand zu schreiben, steigert unsere Vorstellungskraft und Erinnerungsleistung und ist ein individueller Ausdruck unserer Persönlichkeit. Gerade in den Workshops wird mir immer wieder bewusst, dass die konzentrierte Ausführung viel Ausdauer und Geduld erfordert. Plötzlich versteht man, warum Schreiben lernen für Kinder so anstrengend ist.

Fraulein Fischer/Sylvia Fischer
Annagasse 14, 2500 Baden
T: +43 (0)664 134 15 02, E: hallo@frauleinfischer.at
www.frauleinfischer.at
www.facebook.com/frauleinfischer.at

Zwei Fragen an die Handschreiberei

Bis zu welcher Auflage können Sie anbieten?
Bis zu 3.000 Stück pro Auftrag können wir locker abwickeln. Der Auftraggeber sollte jedoch den Zeitfaktor, den es benötigt, um die Texte zu schreiben, einplanen. Uns stehen über 90 Handschreiber, die natürlich auch gleichzeitig schreiben, zur Verfügung. So können wir größere Mengen mit unterschiedlichen Handschriften bearbeiten. Unser Portfolio beinhaltet klassische, edle, moderne, verspielte oder Vintage-Handschriften, Handschriften in Druckbuchstaben und Versalien.  

Was sind Ihre Lieblingsaufträge?
Für Geschäftskunden schreiben wir gerne Einladungen zu Festlichkeiten, da dafür meist besonders schöne Papeterie verwendet wird. Zu den begehrtesten Jobs zählt jedoch das Live-Schreiben auf Events. Dabei bekommen die Männer und Frauen Bewunderung der Zuseher direkt zu spüren und können den Besuchern gleichzeitig bleibende Erinnerungen mitgeben. Für Privatpersonen verfassen wir bevorzugt Liebesbriefe. Meist werden wir von Männern beauftragt, um ihrer Angebeteten etwas Besonderes zu schenken.

Handschreiberei/Barbara Snizek
Steinbruchstraße 5, 3004 Riederberg
T: +43 (0) 664 182 99 77
www.handschreiberei.at
www.facebook.com/handschreiberei

Zahlreiche Beispiele finden Sie im Werbemonitor 01/2018.

Foto:  Nina Saurugg

 

 

Als zweitgrößte Fachgruppe österreichweit im Bereich Werbung werden rund 3.400 Mitglieder mit ca. 4.200 Gewerbeberechtigungen betreut. Hier finden Sie umfangreiche Informationen sowie unterschiedliche Serviceleistungen für Ihre tägliche Praxis.

Kontakt

WKNÖ Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation
Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742 851 - 19712
Fax: 02742 851 - 19719
  werbung@wknoe.at