Maria Weinhofer

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Faszination Kinderbuchillustration

Was war Ihr Lieblingsbilderbuch? Kaum jemand, vor dessen geistigem Auge da keine Bilder auftauchen. Bilderbücher sind für Kinder der erste Kontakt mit Kunst. Für Illustratoren sind sie ein Bereich der grafischen Gestaltung, der eine unwiderstehliche Vielfalt an Themen und handwerklichen Techniken ermöglicht. Doch von Kinderbuchillustration zu leben, ist für die meisten ein Märchen. Umso wichtiger, Illustratoren eine Bühne zu bieten und in der Öffentlichkeit Bewusstsein für den kulturellen Wert und die hohe Qualität der Werke zu wecken. Seit 1965 öffnet deshalb die BIB, die  Biennale der Illustrationen Bratislava, alle zwei Jahre im Herbst ihre Pforten.

Ausgestattet mit Kamera, Notizblock und viel Zeit, war ich auch heuer wieder dort, denn diese Leistungsschau aktueller Kinderbuchillustrationen ist einzigartig: Weltweit gibt es keine umfassendere Ausstellung von Kinderbuchillustration. Die Exponate sind ausnahmslos Originalzeichnungen, was der BIB ihren lebendigen Reiz verleiht. Einzigartig auch die nicht-kommerzielle Ausrichtung der BIB: „No big bragging, no huge billboards and no advertisements“, fasst es PhDr. Zuzana Jarošová, Leiterin des BIB International Committee, zusammen. Kein Prahlen also, kaum Werbeaufwand und auch in den Ausstellungsräumlichkeiten keine Verkaufsstände, keine Verlage, alles ganz reduziert und unaufdringlich.

Dennoch (oder gerade deshalb?) wächst die BIB kontinuierlich. 2017 stellen 373 Illustratoren (weit mehr als die Hälfte weiblich) aus 49 Ländern 2.657 Originalzeichnungen zu insgesamt 488 Büchern aus. Eine Folge des Wachstums: Die BIB ist übersiedelt, vom „House of Art“ in das Slowakische Nationalmuseum. Leider wurde das nicht zum Anlass genommen, endlich für ausreichende Beleuchtung der Kunstwerke zu sorgen oder den „Ostblock-Charme“ abzulegen.

Wie wichtig Bilderbücher zu allen Zeiten sind, lässt sich am Beispiel Syrien erahnen: Denn sogar dieses Land, wo der Krieg seit sieben Jahren tobt, ist bei der BIB 2017 vertreten. Wie viel Liebe und Leidenschaft in Kinderbuchillustration steckt, kann man auch daran ermessen, wie weit Arbeitsaufwand und Entlohnung häufig auseinanderklaffen. Kinderbücher zu illustrieren, ist für viele ein Luxus, den sie sich leisten, weil es ihnen Freude macht – kein Beruf, von dem man leben kann. Diesen Missstand gilt es zu beheben.

Denn Kinderbücher sind häufig der erste Kontakt eines Kindes mit Kunst. Kinderbücher prägen fürs Leben und sind Teil unserer Bildung. Es macht einen Unterschied, ob wir Kinder mit seelenlosem Kitsch aufwachsen lassen oder uns bemühen, ihnen ein Gefühl für das Wahre, Schöne und Gute zu vermitteln. Mit 15 Teilnehmern ist Österreich bei der BIB 2017 stark vertreten. Fünf von ihnen haben mir per E-Mail Einblick in ihr Selbstverständnis als Kinderbuchillustratoren, ihre Motivation und ihre Arbeitsweise gegeben.

Ist es heutzutage möglich, von Kinderbuchillustration zu leben, oder ist Kinderbuchillustration etwas, das man sich leistet?

Klippfeld: Es gibt bestimmt Leute, die das können (ich kann’s nicht), aber ich wäre vorsichtig damit, diesen Tätigkeitsbereich zu meinem einzigen wirtschaftlichen Standbein zu machen, gerade am Anfang einer Karriere als Illustrator.

Was ist Ihre Motivation, Kinderbücher zu illustrieren? Was hat Sie am ausgestellten Buch besonders gereizt, was war die größte Herausforderung, was am schönsten?

Bredschneider: Wir sind beide Kindergartenpädagoginnen und stehen täglich in Kontakt mit Kinderbüchern. Unser erstes Bilderbuch „Das Kerzenlächeln“ gestalteten wir aus einer spontanen Idee heraus. Wir fanden kein passendes Buch zum Thema Teilen (Martinsfest), welches auch noch die Besonderheit des Kerzenlichts aufgreift, und so beschlossen wir, dies selbst in die Hand zu nehmen. Von da an begannen wir, unser Herzblut in das Experiment hineinzustecken, und es war der schönste Weg, den wir je gemeinsam gegangen sind. Für Laien ist der Weg natürlich sehr holprig. Die Erfahrung, die wir beide gemacht haben, und das Gefühl, wenn man sein eigenes „Herzstück“ neben Kinderbuchklassikern in einer Buchhandlung sieht, sind unbezahlbar.

Maslowska: Die Liebe zur Kunst und Literatur. Immerhin sind Kinderbücher für Kinder meistens die ersten Kunstwerke, die sie in die Hände bekommen. Mir ein Konzept für ein Buch zu überlegen, ist viel Arbeit, eine Wahn-sinnsherausforderung, aber gleichzeitig eine Riesenfreude: Wie schaffe ich eine Verbindung zwischen Text und Bild, ohne dem Text etwas wegzunehmen oder ihn eins zu eins darzu-stellen, Spannung zwischen den beiden aufzubauen und weitere Fragen mit den Bildern zu stellen? Wie schaffe ich Atmosphäre durch Farben, Strukturen, Darstellen oder Weglassen? Wie gehe ich mit Stereotypen um (Geschlechterrollen/Schönheitsideale ...) oder wie soll eine Prinzessin oder Hexe aussehen, damit sie noch als solche erkennbar bleibt? Im Unterschied zu Illustrationen, die ich für Firmen gestalte, ist Kinderbuchillustration eine Art der künstlerischen Selbstverwirklichung, die ich mir nicht entgehen lassen möchte.

Jauk: Ich liebe Kinderbücher! Schon als klei-nes Kind hat mir meine Mutter aus Büchern vorgelesen. Dabei waren mir die Illustrationen oft wichtiger als die Geschichte selbst. Vor allem liebte ich besonders detaillierte Illustrationen, wo ich immer wieder etwas Neues entdecken konnte, das meine Fantasie anregte. Wahrscheinlich habe ich dank der vielen Bücher sehr früh zu zeichnen begonnen und bei meinem ersten Kinderbuch konnte ich auch selbst wieder Kind sein. Mit den Illustrationen zu den Büchern von „Heli Herz“ ist mir ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen und es war eigentlich ein reiner Glücksfall, dass ich den Auftrag bekommen habe. Natürlich steckt man sehr viel Zeit in so ein Projekt und muss von etwas leben können, aber die Bezahlung stand absolut nicht im Vordergrund. Für mich war es vielmehr eine riesige Chance, einen langjährigen Traum umzusetzen und in Folge vielleicht auch weitere Kinderbücher illustrieren zu dürfen.

Welchen Nutzen haben Sie von der Teilnahme an der BIB?

Farhang: Gut an der Teilnahme ist, dass das Buch und die Illustrationen einem größeren, internationalen und auch sehr engagierten Publikum präsentiert werden.

Jauk: Auf jeden Fall gute Werbung! „Heli Herz“ ist in kleiner Auflage im Verlag „SinnSicht“ der Autorin erschienen und im großen Buchhandel nicht zu finden, ich sehe die BIB daher als eine Art Präsentationsplattform, um auf das Buch aufmerksam zu machen.

Womit beginnt für Sie üblicherweise ein neues Projekt: Kommt ein Verlag oder ein Autor, eine Autorin mit einer Geschichte auf Sie zu, die Sie anschließend illustrieren? Oder gehen Sie von einem Thema aus, einem Charakter, einem Illustrationsstil, und machen sich auf dieser Basis auf die Suche nach dem geeigneten Text oder Autor?

Farhang: Beides geht für mich. In den letzten Monaten habe ich mich beispielsweise mit der Illustration eines Kinderbuchs beschäftigt, wo die Geschichte von der Autorin vorgeschlagen wurde. Ich arbeite aber auch oft an meinen eigenen Geschichten und Illustrationen und suche nachher nach dem geeigneten Text oder Autor oder nur einen geeigneten Verlag.

Klippfeld: Da es bis jetzt nur ein Projekt gab, kann ich das nicht wirklich beurteilen, aber in unserem Fall sind die Illus und der Text zusammen bzw. nebeneinander entstanden, wir haben uns gegenseitig Feedback gegeben und viel aus-getauscht. Uns wurde dann öfter gesagt, dass Text und Bild sich so schön ergänzen, das hat vielleicht damit zu tun.

Verschiedene Illustrationen finden Sie im Werbemonitor 06/2017.

Solmaz Farhang stellt Tuschezeichnungen zu Hans Christian Andersens „Der Schatten“ (Verlag: Bibliothek der Provinz) aus.
www.solmazfarhang.com

Monika Maslowska präsentiert Illustrationen zu Georg Bydlinskis „Wir träumen uns ein Land“ (Verlag: Tyrolia).
www.monikamaslowska.com 

Sabrina Jauk zeigt ihre Werke für Sigrid Grünbergers „Heli entdeckt sein Herz“ (Verlag: Sinnsicht Verlag).
www.projektzwei.at

Cornelia Bredschneider hat gemeinsam mit Katharina Gunzer „Das Kerzenlächeln“ (Eigenverlag) geschrieben und illustriert.
www.leselaune.at

Richard Klippfeld hat mit Judith Hurra „Anders, und nicht so“ (Verlag: Luftschacht Verlag) ersonnen und gezeichnet.
www.richardklippfeld.com 

Fotos: Maria Weinhofer

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