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Redaktion Werbemonitor

Die Branche motiviert sich selber

Viele Themen wurden in den letzten Jahren in der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation vorangetrieben, aufbereitet und umgesetzt. Die Coronakrise änderte einiges und eine neue Strategie war die Folge. Im Herbst kam Andreas Kirnberger als Obmann an die Spitze. Welche Pläne gibt es? Ein Gespräch über Beratung, Serviceleistungen, Aus- und Weiterbildung und den Goldenen Hahn.

Wir sitzen zu viert in einem der Konferenzräume im Erdgeschoss der Wirtschaftskammer in St. Pölten. In dem Raum tagt sonst der 20-köpfige Fachgruppenausschuss. Abstand halten und lüften ist derzeit die oberste Devise. Der neue Obmann Andreas Kirnberger, sein Stellvertreter Günther Hofer, Geschäftsführer Dr. Clemens Grießenberger und Chefredakteurin Sabine Wolfram sprechen über die Fachgruppe, über aktuelle Themen und wohin die Reise führen kann. Da wir einander kennen, sind wir per Du.

Werbemonitor: Andreas, einige unserer Mitglieder kennen dich persönlich, andere kaum. Wie bist du in die Werbebranche gekommen?

Kirnberger: Meine Leidenschaft zur Werbung hat sich eigentlich aus meiner Leidenschaft zum Tennis entwickelt. Nachdem ich meine Karriere als aktiver Spieler mit 20 Jahren beendet habe, war ich Tennislehrer und habe begonnen, Tennisturniere zu organisieren und durchzuführen. Über diese Schiene bin ich dann bei einer Wiener Event-Agentur gelandet und habe dort unter anderem Kunden wie Nokia oder Beiersdorf betreut. Es war eine sehr lehrreiche und intensive Zeit und eine gute Grundlage für meine spätere Selbstständigkeit. Tennis spiele ich heute noch immer gerne als Hobby.

Werbemonitor: Seither ist schon einige Zeit vergangen, was ist heute deine Spezialisierung?

Kirnberger: Grundsätzlich decken wir die Bereiche Design und digitale Werbung ab. Einer unserer Schwerpunkte ist sicherlich die Betreuung von Klein- und Mittel-betrieben im Online- und Digitalbereich. Die Betreuung und der direkte Kontakt zu diesen Kunden machen mir besonders viel Freude! Begonnen habe ich 2004 im Kellergeschoß meines Wohnhauses. Derzeit ist unser Büro in Purkersdorf in Hauptplatznähe – aus Platzgründen steht der nächste Umzug bereits an. Mein Kernteam umfasst fünf Personen, eine gute und flexible Mischung aus freien und fixen Mitarbeitern.  

Werbemonitor: Du bist der Obmann der Bezirksstelle Purkersdorf. Wie schaut es mit der Kommunikationsbranche in deinem Bezirk aus?

Kirnberger: Unsere Branche ist hier sehr stadtlastig ausgerichtet, eben durch die Nähe zu Wien. Wir haben viele kleine Betriebe, die oft in Wien einen zweiten Standort etabliert haben, und einige Ein- bis Drei-Personen-Betriebe. Größere Agenturen sind in unserem Bezirk eher die Ausnahme. Die Coronabeschränkungen und das Homeoffice betreffen viele.

Werbemonitor: Wie hast du den Fortschritt seit März im Sinne der Digitalisierung erlebt?

Kirnberger: Digital waren viele Betriebe vorher auch schon. Durch den Lockdown gab es hier einen weiteren, massiven Schritt nach vorne. Ich habe vor allem erlebt, dass die mobile Digitalisierung schwierig war. Manche Unternehmen hatten zwar die Geräte (Tablet und Co), aber die benötigten Daten standen nur in der Firma zur Verfügung. Die VPN-Zugänge, um zuzugreifen, hatte z. B. nur die Geschäftsführung. Dort, wo noch nicht alle Mitarbeiter auf Laptops arbeiteten, kam hinzu, dass fast alle mobilen Geräte ausverkauft waren. Alle Marken hatten Schwierigkeiten mit der Lieferung. Desktopcomputer gab es ohne Ende, aber leistbare Laptops kaum. Was die Digitalisierung betrifft, gibt es aber sicher noch immer Luft nach oben.

Werbemonitor: Wir hosten 14 unterschiedliche Berufsgruppen. Welche Chancen siehst du für die Kreativbetriebe?

Kirnberger:Die Herausforderungen und die Chancen sind sehr unterschiedlich, je nach Branche und Auftragslage, abhängig davon, was momentan überhaupt gemacht werden kann und was nicht. Die Eventveranstalter haben jetzt wirklich eine sehr schwere Zeit, für die digitalen Entwickler schaut es wesentlich besser aus. Generell sehe ich, dass die Branche sich selber motiviert, das Umfeld ist schon sehr digital. Die jungen Leute werden auf Geräten ausgebildet, von denen die meisten State of the Art sind, das ist sicher ein Vorteil, den wir in der Branche haben, weil auch alle unsere Mitglieder sehr digitalaffin, neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, experimentierfreudig und kreativ sind.  

Hofer: Stimmt, mit der Kreativität punkten wir. Du weißt ja selbst, wie viel im Alltag an Leistungen anfällt, und die Kreativleistungen sind nur ein Teil davon. Du musst dein Rechnungswesen auf die Reihe bekommen, deine internen Prozesse, die IT, die Sicherheit und mehr. Natürlich hilft die Digitalisierung dabei, aber du musst dich dafür interessieren, wenn du ein Klein- und Mittelbetrieb oder ein Ein-Personen-Unternehmen bist. Welche Tipps hast du für die Kollegen? In welche Richtung sollen sie denken?

Kirnberger: Als Unternehmer mache ich einen großen Teil der Arbeit nicht im kreativen Bereich, sondern arbeite am Unternehmen. Gerade dieser Teil ist jetzt während der Coronakrise eine Chance, Themen vorzuziehen und das Unternehmen auf die nächste Ebene zu heben, Strukturen zu verbessern, Abläufe zu prüfen, effizienter zu gestalten.

Hofer: Meinst du damit, das eigene Geschäftsmodell zu überdenken?

Kirnberger: Nicht nur, es beginnt beim Geschäftsmodell und bezieht alle internen Prozesse mit ein, egal ob diese digital oder analog sind. Es wird viele Prozesse geben, die digital nicht nachbildbar sind und analog bleiben müssen. Aber die Struktur kann sich ändern, ebenso die Software oder die Geräte, die zum Einsatz kommen. Wir haben jetzt vielleicht die Chance, die Zeit zu nutzen und zu evaluieren: Was braucht das Unternehmen, was nicht, welche neuen Möglichkeiten gibt es, welche aktuellen Förderungen helfen mir vielleicht bei der Umsetzung? Die Unternehmer brauchen gute Nerven, um durch diese Zeit zu kommen. Aber es ist für alle eine Chance, am Unternehmen zu arbeiten und die Ziele des Unternehmens wieder neu zu fokussieren.

Grießenberger: Wie, glaubst du, können wir als Fachgruppe und Wirtschaftskammer die Mitgliedsbetriebe in deiner Obmannschaft unterstützen?

Kirnberger: Als Servicebetrieb schauen wir, dass wir sowohl lokal als auch in der Fachgruppe bestmöglich die aktuellen Vorgaben und Richtlinien der Bundesregierung weitergeben – damit die Unternehmen schnellstmöglich reagieren können. Die Informationsdichte ist sehr groß, da sehe ich es als unsere Aufgabe, die wesentlichen Teile herauszufiltern und an unsere Betriebe weiterzugeben, damit diese rasch und unbürokratisch die Maßnahmen umsetzen. Ganz ohne Bürokratie wird es derzeit leider nicht gehen, vor allem was die Unterstützungen und Förderungen betrifft, das ist natürlich eine große Herausforderung. Wir sind dafür da, zu übersetzen, die wesentlichen Punkte herauszuarbeiten, diese per Newsletter, per Werbemonitor oder in unseren Onlineformaten weiterzugeben – eben mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn viele Förderungen können vielleicht gerade jetzt sehr hilfreich sein, um die oben genannten Strukturänderungen durchzuführen!

Hofer: Du hast zuerst Software, Hardware, Prozesse, IT und mehr erwähnt. Da fallen ein paar Bereiche zusammen. Schon vorher, aber auch mit der Digitalisierung überschneiden sich viele Themen im Bereich Werbung, Beratung und IT. Wie werden wir damit künftig umgehen?

Kirnberger: Ich stelle immer das Gemeinsame vor das Trennende, weil die Diskussion dann besser funktioniert. Wir haben in den Fachgruppen Werbung und UBIT einige wichtige Werkzeuge an der Hand. Wir haben die Skills wie Beratungsleistungen und unser Spezialgebiet, den kreativen Part! Die Thematik wächst immer mehr zusammen, auch weltweit. Es ist ein Geflecht, welches man nicht mit einem Schnitt öffnen kann. Jede Fachgruppe muss ihre Assets ausarbeiten, um sich gegenseitig zu motivieren, noch besser zu werden. Wenn du in deiner Sache gut bist, dann nimmst du den anderen mit – ein Berater wird besser sein, wenn er einen Kreativen an seiner Seite hat und umgekehrt. Für das richtige Endergebnis beim Kunden ist genau das ausschlaggebend.  

Hofer: Ein weltweiter Trend, der schon länger anhält, ist, dass die großen Unternehmensberatungen Werbeagenturen aufkaufen, weil sie mit dem Kunden eben nur bis zu einem bestimmten Punkt kommen und nicht weiter. Aus meiner Erfahrung funktioniert es dann gut, wenn alle wissen, wo ihre fachlichen Grenzen sind. Das Ergebnis für die Kunden wird so einfach besser.

Kirnberger: Wir haben Kleinbetriebe und wir haben die großen Agenturen. Wenn ein Netzwerkberater eine Netzwerkagentur kauft oder umgekehrt, geht es  darum, Know-how einzukaufen. Das spielt sich auf einem internationalen Level ab und hilft uns in den Kleinbetrieben nur bedingt. Ich sehe aber auch, dass der Mittelstand sehr qualitätsbewusst ist. Er hat nicht die Zeit und das Geld, dass er drei- oder viermal mit einem Berater oder einem Kreativen einfährt. Er ist froh, wenn er einen guten Berater hat und entscheidet sich gleichzeitig für einen guten Werber. Wenn wir das als Fachgruppen begleiten, ist es kein Gegeneinander.

Hofer: Ich komme nochmals auf die Beratung zurück und frage mich, ob wir bei manchen Themen nicht mehr in die Richtung der Bezirksstellen gehen sollten?  

Kirnberger: Die Bezirksstellen haben die gesamte Breite an Themen, sie wissen ja nicht, wer kommt. Ist es ein Quereinsteiger, ein Werber oder ein Berater. Das Lokale, die Verzahnung mit den Bezirksstellen ist ein Ziel, das ich verstärken möchte. Die Bezirksstellen sind wichtig, weil nirgendwo jemand besser über die Unternehmer Bescheid weiß als dort. Es gibt vor Ort den fachlichen und rechtlichen Input, z. B. bei Berechtigungen, wie die Gemeinde an sich aussieht, das politische Umfeld usw. Hinzu kommt der fachliche Input der Fachgruppe, und das soll mit den lokalen Stärken verknüpft werden.

Hofer: Ich möchte das Thema Aus- und Weiterbildung ansprechen. Gerade weil wir ein freies Gewerbe sind, müssen wir die Qualifizierung der Betriebe weiterbewegen. Die Software heutzutage kann sehr viel, aber das Handwerk dahinter ist wichtig.

Kirnberger: Ja, unsere Branche lebt ja von der Qualität! Wir sehen jetzt in der Coronakrise, wie viele Möglichkeiten es gibt, um sich ortsunabhängig fortzubilden. Das wird der nächste Schritt sein, und mit den aktuellen Formaten funktioniert das sehr gut. Die Menschen wissen jetzt, wie sie mit Onlinekonferenzen umzugehen haben, und wir können das forcieren.

Grießenberger: Welche Themen siehst du, die wir als Fachgruppe verstärken könnten?

Kirnberger: Wir könnten den Servicebereich noch mehr verstärken, also Unterlagen z. B. aus dem rechtlichen Bereich zur Verfügung stellen oder wie man sein Unternehmen erweitern kann. Da gibt es viele Möglichkeiten, dies gut aufzubereiten: Online, über das Mitgliedermagazin Werbemonitor und als Servicedienstleister da zu sein. Das, was unsere Unternehmer trotz und während der Krise brauchen werden, ist eine rasche Servicedienstleistung von uns, auf Basis der Rahmenbedingungen, die wir bekommen. Einen Teil können wir selber mitbestimmen und bestmöglich ausverhandeln. Aber es gibt im Moment sehr vieles, das nicht in unserer Hand liegt, und das sehe ich kurz- bis mittelfristig als Schwerpunkt: Diese Themen so aufzubereiten, dass unsere Unternehmen schnell und ohne große Hürden damit arbeiten können.

Grießenberger: Welche Serviceleistungen wären aus deiner Sicht gefragt?

Kirnberger: Ich setze da wieder auf die Verzahnung. Wenn ich z. B. wegen einer Betriebsanlagengenehmigung in die Bezirksstelle komme, stelle ich die Frage, ob ich überhaupt eine brauche bzw. was nötig ist. Und das kann dann gleich in die Fachgruppe weitergehen, wenn die Überleitung passt – ich habe die Basics, also den Gewerbeschein, und was dann? Es gibt den Erste-Hilfe-Survival-Kit als Basisdienst, und das brauchen wir in vielen Bereichen – wir haben 14 Berufsgruppen und spezielle Anforderungen.

Grießenberger: Verstehe ich das richtig, deine Idee ist es, unsere Serviceleistungen neu zu strukturieren? Einerseits zu analysieren, welche sind ohnehin schon da und andererseits, welche können noch mehr in die Kreativbetriebe gebracht werden?

Kirnberger: Genau, die Betriebe mehr abzuholen. Es ist jetzt nichts, was wir neu erfinden, das ist ja über die letzten Jahre sehr gut aufbereitet worden. Es ist ein stetiges Weiterarbeiten und Adaptieren auf Grundlage der jetzigen Gegebenheiten. Da, wo wir jetzt örtlich nicht hinkommen oder umgekehrt, die Betriebe jetzt nicht zu unseren Veranstaltungen kommen können, müssen wir die Themen zu den Unternehmen bringen – ob in digitaler Form, per Anfrage oder per Rückfrage. Wir müssen von den Unternehmen lernen und zuhören, was jetzt gefragt ist. Es werden Herausforderungen auftauchen, die wir noch nicht kennen, auch weil Corona neue Regeln schreibt. Es geht darum, dass wir das gut auf den Boden bringen und viel Elan an die Mitglieder weitertragen. Jeder Input, der dich im Unternehmen weiterbringt und der dir Arbeit abnimmt, ist großartig. Die bestehende Haftpflicht- und Cyberversicherung ist so ein Beispiel. Wenn ich weiß, was sie kann, ist das beim Start einmal abgehakt. Dann kann ich mich um die nächsten Bausteine kümmern.

Hofer: Wo siehst du Bereiche, bei denen du sagst, das könnten wir in den nächsten Jahren optimieren oder sogar neue Themen hinzufügen? Als Fachgruppe bieten wir schon bisher eine ganze Palette an Serviceleistungen an und arbeiten Themen am laufenden Band ab.

Kirnberger: Es werden sich immer wieder neue Möglichkeiten in Bezug auf Formate auftun. Für mich ist der direkte Draht zu den Kreativbetrieben ein wichtiges Element, also vor Ort zu sein. Das ist im Moment schwierig. Der Bereich ist stark mit den Bezirksvertrauenspersonen gekoppelt, um zu wissen, was vor Ort los ist und uns stark zu vernetzen. Die Themenlage ist im Waldviertel eben eine andere als im Industrieviertel oder in St. Pölten. Das Netzwerk zu stärken, sehe ich als großes Ziel.

Werbemonitor: Günther, du kannst eine hervorragende Bilanz deiner Amtszeit ziehen. In der letzten Ausgabe des Werbemonitor haben wir die großen Leitthemen vor den Vorhang geholt. Was coronabedingt nicht möglich war: die Goldenen Hähne zu verleihen. Wie ist denn da der Status?

Hofer: Die nominierten Agenturen stehen fest, sie wurden von der Onlinejury ausgewählt. Die Fachjury konnte physisch nicht mehr tagen und der Verleihungsevent wurde ins nächste Jahr verschoben. Jetzt gibt es den nächsten Schritt.

Kirnberger: Das Tool für die Jurybewertung wird weiterentwickelt, um den Goldenen Hahn zu 100 Prozent digital abzuwickeln. Die Onlinejurierung erfolgte schon bisher digital, das soll jetzt auch für die Fachjury ermöglicht werden. Es ist ein großes Vorhaben, das im ersten Quartal 2021 stattfinden wird. Der Vorteil dabei ist, dass wir dann ein Tool haben, das digital hybride Events ermöglicht, und die Strategie wird künftig auch in diese Richtung gehen.

Werbemonitor: Danke an alle für das Gespräch.

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