Redaktion Werbemonitor

Wie geht es den Journalisten?

Eine Berufsgruppe, die in den letzten Monaten stark gefordert war, sind die Redakteure in den Medien. Rund um Faktencheck, Digitalisierung, Gatekeeper-Funktion und Kontrollinstanz stand die Corona-Berichterstattung im Mittelpunkt. Das Journalistenbarometer 2020 beleuchtet Medien im Zeichen der Krise.

Kurz zusammengefasst kam heraus, dass österreichische Journalisten Wert auf sorgfältige Recherche und Seriosität in der Berichterstattung legen. Oberste Priorität hat für sie das Vermeiden von Falschmeldungen. Die glaubwürdigsten Quellen sind dabei Experten sowie Presseagenturen. Die Journalisten selbst erwarten für ihre Branche einen deutlichen Digitalisierungsschub. Das Marktforschungsinstitut Marketagent und die PR-Agentur Ecker & Partner haben Ende März 152 Journalisten aus Österreich (und insgesamt 532 Journalisten, davon 152 aus Österreich, 275 aus Deutschland und 105 aus der Schweiz) zu den Auswirkungen der Coronakrise auf die Medienlandschaft befragt.

Mehr Recherchen und Faktenchecks
Was die Coronakrise mit sich gebracht hat: dass Journalisten mehr Zeit in Recherche und Faktenchecks stecken. Das Credo: Vermehrt auf Qualität und Seriosität der Berichterstattung achten und öfters abwägen, welche Informationen veröffentlicht werden sollen, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern. Insgesamt sind sich Journalisten ihrer Verantwortung mehr denn je bewusst, mit der größtmöglichen Sorgfalt Inhalte zu publizieren. Eine große Mehrheit der Journalisten glaubt demnach auch, dass sich das Image der Medien aufgrund der Coronakrise verbessern wird.

Corona dominiert nach wie vor die Medien
Das Thema wird alle noch längere Zeit beschäftigen, es überwiegt in der journalistischen Arbeit. 86 Prozent der befragten Journalisten behandeln das Thema Corona und verbringen geschätzte 65 Prozent ihrer Arbeitszeit damit. Drei von vier Journalisten sind überzeugt, dass sich der mediale Diskurs im Sommer und möglicherweise noch danach hauptsächlich um Corona drehen wird. Es zeigt sich, dass die Coronakrise sowohl eine Chance als auch Bedrohung für den Qualitätsjournalismus ist.

Die Menschen wollen gerade jetzt umfassend und seriös informiert werden, jeder ist sensibel auf Fake News geworden. Diesen Anspruch können allerdings nur verantwortungsvolle Medien erfüllen. Gleichzeitig steigt gerade durch die Krise und den generellen Rückgang der Werbeausgaben der ohnedies schon hohe ökonomische Druck auf die Medien weiter an. Qualität hat ihren Preis, und der muss finanziert werden.

Quellen
Journalisten beziehen ihre Informationen zum Thema Corona aus unterschiedlichen Quellen. Als besonders glaubwürdig bezeichnen sie Experten, Presseagenturen, Organisationen wie das Rote Kreuz sowie Informationen der Bundesregierung. Dieser wird von den befragten Journalisten ein gutes Zeugnis ausgestellt: 80 Prozent sind mit den Informationen zum Coronavirus seitens der Politik zufrieden. Dennoch ist kritische Berichterstattung weiterhin erwünscht: Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, Medien sollten auch in Krisenzeiten ihre Kontrollfunktion als vierte Macht im Staat voll und ganz wahrnehmen und so kritisch wie nötig sein. Weitere 42 Prozent fordern etwas mehr Nachsicht ein, um die Bevölkerung nicht zusätzlich zu verunsichern.

Generelle Trends
Die zu erwartende Rezession werde zu weniger Werbeeinschaltungen und somit zu massiven Einkommensverlusten führen, sind 72 Prozent der befragten Journalisten überzeugt. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Krise die Digitalisierung der Medienbranche stark vorantreiben wird (60 Prozent). Qualitätsmedien werden mehr Zuspruch erhalten und somit solider dastehen (52 Prozent). Persönlich machen sich vier von zehn Befragten Sorgen um ihre berufliche Zukunft, bei genauso vielen wurde im Unternehmen bereits Kurzarbeit eingeführt. Das Arbeitspensum hat sich bei fast der Hälfte der Medienleute seit der Coronakrise klar erhöht. 78 Prozent arbeiten ausschließlich im Homeoffice. Zu den größten Herausforderungen der Heimarbeit zählen der fehlende persönliche Kontakt zu Kollegen (56 Prozent) und Interviewpartnern (52 Prozent) sowie die schwierige Einhaltung der Arbeitszeiten durch die Vermischung von Beruf und Freizeit (39 Prozent).

Hier geht es zum gesamten Bericht.

Foto: iStock.com/diego_cervo

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