Redaktion Werbemonitor

Markenwelt in Städten und Gemeinden

„Unsere Stadt, unsere Gemeinde oder unser Dorf braucht ein neues Erscheinungsbild!“ So oder ähnlich beginnen viele Besprechungen im Rahmen von Dorf- und Stadterneuerungen sowie von Gemeinde21. Denn oft besteht eine unübersichtliche Flut an Logos, verschiedenen Layouts für Websites, Gemeindezeitungen, Werbefoldern und Wanderkarten. Sie sind größtenteils selbst zusammengebastelt und weisen wenig bis gar keine durchgängige Gestaltung auf. Was nun?

In Städten ist die Neuorientierung bzw. einheitliche Gestaltung des Auftritts noch eher Thema als in kleinen Gemeinden, auch wenn dies dort genauso wichtig ist. Allerdings stehen normalerweise immer sehr viele andere Projekte, vor allem in der Infrastruktur, weiter oben in der Prioritätenliste. Wenn der Zeitpunkt passt und bestenfalls ein Bürgerbeteiligungsprozess hinzukommt, kann für jedes Dorf, jeden Ort, jede Gemeinde und jede Stadt ein tolles Marken- oder Designprojekt zustande kommen, das über Jahre hinauswirkt.
Bürger haben einen sehr großen Vorteil: Sie sind viele. Viele Ideen, viele Meinungen und eine immens große Plattform. Das kann in manchen Bereichen eine Herausforderung darstellen. Immer mehr Gemeinden (und Firmen) erkennen das Potenzial der Bevölkerung. Gerade bei Marken- und Designprojekten ist die Macht der Bevölkerung nicht zu unterschätzen. Nun gilt es, eine Agentur zu finden, die sich zutraut, mit der Bevölkerung zu arbeiten und sie als wichtigen Partner zu erkennen. Als Ideenlieferant, als Feed- back-Geber und schlussendlich als Verbreiter des Endprodukts. Die Marke muss leben, das Design sich so weit wie möglich verbreiten.

Im Gegensatz zu großen Firmen, deren Werbebudget riesig ist und die es leicht schaffen, Marken und Designs zu verbreiten, haben Gemeinden nur einen kleinen finanziellen Rahmen, der gut genutzt sein will. Als Multiplikatoren müssen die Bewohner, Vereine und Institutionen herhalten. Wenn nun eine Marke/ein Design einfach „aufgesetzt“ wird, ist die Bereitschaft geringer, das mitzutragen. Ein Beteiligungsprozess hat den Vorteil, dass Bürger bereits ab dem Zeitpunkt der Ideenfindung eingebunden sind. Fazit: Die Identifikation mit dem Ergebnis und die Bereitschaft zur Weiterverbreitung sind höher. Die NÖ.Regional.GmbH betreut Niederösterreichs Städte und Gemeinden in den Landesaktionen Stadterneuerung, Dorferneuerung und Gemeinde21 und hat in diesem Rahmen schon mit verschiedenen niederösterreichischen Agenturen zusammengearbeitet. Einige Beispiele …

Stadtmarke Neunkirchen
Zuerst war die Bevölkerung gefragt, als es um die Entwicklung eines Strategiehandbuchs für die Stadtgemeinde Neunkirchen ging. Viele Menschen beteiligten sich, eine Steuerungsgruppe aus Politik und Gesellschaft führte die Ideen zusammen, daraus entstand die Stadtmarke Neunkirchen im Industrieviertel. Die Agentur unique fusion erarbeitete die Visualisierungsformen zur Entwicklung der Stadtmarke. Im November 2013 wurden das neue Logo und die fünf Submarken zu den Themenbereichen Freizeit, Leben, Bürgerservice, Wirtschaft, Bildung und Kultur der Bevölkerung präsentiert und die neu kreierte Marke sowie das entwickelte Corporate Design in alle Gemeindemedien integriert. Alle Vereine und Organisationen können das Logo übernehmen – in Abstimmung mit der Gemeinde.

Stadtmarke Wümschburg
Die Stadtgemeinde Wilhelmsburg entwickelte im Stadterneuerungsprozess 2006–2009 mithilfe der Bürger und ausgewählter Stakeholder eine neue Stadtmarke, die vor allem das in die Jahre gekommene Selbstbildnis der Stadt erneuern sollte. In zahlreichen Projektsitzungen wurde eine Sammlung von Eigenschaften der Stadt durchgeführt, immer mit der zentralen Frage: „Wofür steht Wilhelmsburg heute?“ Trotz intensivster Diskussionen konnte kein zentrales Merkmal identifiziert werden, das eine eindeutige Wort-Bildmarke gerechtfertigt oder die Mehrheit in den verschiedenen Interessensgruppen gefunden hätte. Also entschied sich die Projektgruppe, eine ortsansässige Kreativagentur mit der Ideenfindung zu beauftragen. Als Grundlage wurden sämtliche Ergebnisse und Überlegungen aus dem zweijährigen Ideenfindungs- und Diskussionsprozess den Werbern zur Verfügung gestellt. Das Projekt setzte die Kreativagentur Wagner und Steinperl um und es wurde die Stadtmarke „Wümschburg“ erschaffen. Wilhelmsburg wird nämlich umgangssprachlich so von seiner Bevölkerung genannt. Dieses Jahr wurde sogar schon das zehnjährige Jubiläum der Entstehung gefeiert.

Eine Agentursicht
Matthias Steinperl fasst das Projekt so zusammen: „Aus Sicht der Agentur ist Bürgerbeteiligung pures Gold wert – sowohl was das Projektmanagement als auch den kreativen Prozess betrifft. Viele Ideen, aber auch Bedenken können im Vorfeld (aus)diskutiert und in der Folge berücksichtigt werden. Das erspart eine Menge sogenannter ‚Schüsse in den Wald‘, aber auch jene ins Knie. Im konkreten Fall von Wilhelmsburg/Wümschburg haben wir darauf geachtet, einen möglichst großen Querschnitt durch die Stadt einzubeziehen. Die so entstandene – von innen gestärkte – Marke konnte umso kraftvoller nach außen getragen werden.“ Der hohe Bekanntheitsgrad Wilhelmsburgs gibt den Beteiligten recht: Wümschburg ist berühmt und berüchtigt.

Wirtschaftsfolder Hainfeld
Der Erhalt eines lebendigen Ortskerns mit zahlreichen Betrieben und Gastronomieangeboten ist eines der zentralen Themenfelder, mit denen sich die Stadtgemeinde Hainfeld im Stadterneuerungsprozess 2009–2014 beschäftigte. Bereits im Leitbild wurden die Stärkung der Hainfelder Betriebe und die bessere Vermarktung von regionalen Tourismusangeboten als vorrangiges Ziel beschrieben. Im Laufe des Stadterneuerungsprozesses hat der Arbeitskreis „Wirtschaft“ in Kooperation mit dem ansässigen Wirtschaftsverein „Wir Hainfelder“ ein Projekt entwickelt, das zur Unterstützung der gewachsenen wirtschaftlichen Strukturen in der Stadtgemeinde beitragen sollte.

Mit einem professionell gestalteten Imagefolder sollte das reichhaltige Angebot in der Stadtgemeinde gestützt werden. Allerdings haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises darauf verständigt, eine Kampagne zu starten, in der auch die Eigentümer und Angestellten der Betriebe im Fokus stehen sollten. Für den Imagefolder sammelten die Mitglieder des Arbeitskreises Hintergrundinformationen und skizzierten ihre Wünsche in einem Konzept. Mit Unterstützung der Werbeagentur Heavy Studios wurden das Konzept weiter ausgearbeitet und ein grafisches Layout erarbeitet. Als Erfolgskriterium erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Fotografen Gerald Lechner, der punktgenau die Vorstellung der Projektgruppe für die Darstellung der Betriebe erfüllen konnte.

Die NÖ.Regional.GmbH ist zentrale Anlaufstelle für Gemeinden, Verbände, Organisationen und öffentliche Einrichtungen, wenn es um Regionalentwicklung in Niederösterreich geht. Sie berät, begleitet und vernetzt die regionalen Akteure bei der Entwicklung und Umsetzung von Projekten im Einklang mit der jeweiligen Hauptregionsstrategie und den aktuellen Förderrichtlinien. Zu den Hauptaufgaben gehören die Umsetzung der Landesaktionen Dorferneuerung, Stadterneuerung, Gemeinde21 und Kleinregionen, das regionale Mobilitätsmanagement und INTERREG-Projekte.

Agenturen gesucht!

Was sollten Sie mitbringen?
- Bereitschaft zur Arbeit mit der Bevölkerung (in Workshops,  Diskussionen, Präsentationen)
- Bereitschaft, Feedback anzunehmen und das Projekt  entsprechend zu adaptieren
- Wissen um limitierte finanzielle Rahmen – das Projekt  muss an die jeweilige Gemeinde angepasst werden

Ansprechpartner: DI Sabine Klimitsch, E: sabine.klimitsch@noeregional.at, T: 0676/88591222
www.noeregional.at

Foto: © noe regional

Als zweitgrößte Fachgruppe österreichweit im Bereich Werbung werden rund 3.400 Mitglieder mit ca. 4.200 Gewerbeberechtigungen betreut. Hier finden Sie umfangreiche Informationen sowie unterschiedliche Serviceleistungen für Ihre tägliche Praxis.

Kontakt

WKNÖ Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation
Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742 851 - 19712
Fax: 02742 851 - 19719
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