Redaktion Werbemonitor

Nachgefragt

Wie es in der Schule tatsächlich mit dem Unterricht aussieht und was sich ein Fachlehrer wünscht, dem gehen wir im nachfolgenden Gespräch auf den Grund.

Werbemonitor: Herr Jungmeier, Sie sind Fachlehrer an der Landesberufsschule in  St. Pölten und mit Ihren Kollegen für die Ausbildung des Werbenachwuchses zuständig. Was unterrichten Sie?

Jungmeier: Wir unterrichten das Praktikum und die fachtheoretischen Gegenstände. Ich selbst bin für den Medienfachmann/Medienfachfrau (Mediendesign/Medientechnik/Werbung & Marktkommunikation) und den Druckvorstufentechniker verantwortlich. In den Werkstätten, so werden im internen Jargon jene Bereiche genannt, in denen sich die Computer und die Druckmaschinen befinden, erhalten die Lehrlinge den praktischen Unterricht.

Werbemonitor: Wie können wir uns das vorstellen?

Jungmeier: Ich kann einen kurzen Eindruck vermitteln. Im ersten Lehrjahr ist das Ausbildungsprofil für den Mediendesigner und Druckvorstufentechniker annähernd gleich. Am Stundenplan stehen Typografie sowie Gestaltung und die drucktechnisch richtige Herstellung von Printprodukten. Wir erarbeiten den Aufbau einer Druckseite, gestalten mit Schrift und lernen, worauf es bei einem Satzspiegel ankommt. Die Mediendesigner kümmern sich mehr um das Design, die Medientechniker konzentrieren sich mehr auf die drucktechnische Aufbereitung und die PDF-Erstellung. Im zweiten Lehrjahr steht bei ihnen Webdesign und die 2D-Animation im Vordergrund und bei den Medientechnikern z.B. die Programmierung und das Hosting von Webseiten. Im dritten Lehrjahr kommen der Videoschnitt mit ein wenig 3D-Visualisierung und 3D-Animation hinzu. Ziel ist es, die Videoschnittprogramme und Aufnahmetechniken kennenzulernen, was am besten im Rahmen eines Projektes geht. Die Druckvorstufentechniker bleiben alle dreieinhalb Jahre Lehrzeit im Bereich Print und spezialisieren sich dann zunehmend in der PDF-Verarbeitung und im Ausschuss. Für alle Bereiche haben wir an der Schule Top-Equipment wie z.B. modernste Hard- und Software, Videokamera, Ausschussstation mit CTP-Anlage und eine Vierfarben-Druckmaschine mit Lackierwerk.

Werbemonitor: Über das Niveau der Lehrlinge wird immer wieder diskutiert. Was erleben Sie?

Jungmeier: Lehrlinge, die aus Betrieben kommen, denen die Ausbildung wichtig ist, haben ein gutes Niveau. Da macht es Spaß, sie mit neuen Inputs zu versorgen. Ich kenne viele ehemalige Lehrlinge, die heute Abteilungsleiter sind. Leider gibt es auch Unternehmen, die ihrem Nachwuchs fachlich zu wenig Wissen vermitteln und dies der Berufsschule überlassen. Das ist schade, da wir in den zehn Wochen der Schulzeit nur begrenzt Inhalte unterrichten können. Die Jugendlichen sind demotiviert, wenn sie bei der Prüfung durchfallen. Aber auch sie müssen in die Pflicht genommen werden, da sie es für sich lernen. 

Werbemonitor: Die Betriebe erleben oft die Berufsschuldauer von zehn Wochen als Last. Es ist eine lange Zeit, in welcher der Mitarbeiter nicht verfügbar ist. Welchen Nutzen bringt das Blocksystem aus Sicht der Schule?

Jungmeier: Lerntechnisch gesehen haben die Zehn-Wochen-Blöcke viele Vorteile. Vor allem können wir aufbauend arbeiten und die jungen Menschen bleiben konzertierter bei der Sache. 

Werbemonitor: Wo sehen Sie generell Verbesserungsbedarf?

Jungmeier: Sinnvoll wäre es, die Berufsschule und Lehrbetriebe mehr zusammenzuspannen, um sich besser abzustimmen. 

Werbemonitor: Danke für das Gespräch.

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